Eineinhalb Jahre Haft für Messerstich ins Bein

20.10.2015 • 21:18 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
VN-Bericht vom 22. Juli 2015.
VN-Bericht vom 22. Juli 2015.

Schwer drogensüchtiger Dornbirner verlor bei Auseinandersetzung drei Liter Blut.

Feldkirch. Die Schnittwunde am linken Unterschenkel war 15 cm lang und fünf cm tief. Das Opfer, ein 45-jähriger Dornbirner, verspürt noch heute Schmerzen. Vier Monate nach jenem Abend, als ihn ein 24-jähriger Bekannter in einer Siedlung in Dornbirn mit einem Messer attackierte. Der Täter flüchtete anschließend mit dem Fahrrad. Doch er blieb nicht unbeobachtet. Zeugen beschrieben seine „Schlappohren“, und wenig später klickten die Handschellen.

„Beinahe umgebracht“

Als Angeklagter am Landesgericht Feldkirch gibt er beinahe sämtliche Vorwürfe zu, nur den schwerwiegendsten nicht: den Stich mit dem Messer. Sein damaliges Opfer macht auch als Zeuge einen stark angeschlagenen Eindruck. Der 45-Jährige ist seit zwanzig Jahren schwer süchtig und im Methadonprogramm. Die Spuren davon sind an ihm deutlich sichtbar und auch hörbar. Beim Betreten des Landesgerichts nimmt ihm die Torwache eine Portion Marihuana ab. Als er den Verhandlungssaal betritt, streift sein düsterer Blick den Angeklagten. Während seiner Einvernahme dreht er sich anschließend zu dem 24-jährigen Beschuldigten hinter ihm um und schreit ihn an: „Wegen dir habe ich damals drei Liter Blut verloren! Ich bin fast draufgegangen, du hast mich beinahe umgebracht!“

Dass der Angeklagte, ebenfalls ein Dornbirner, die Messerattacke bestreitet, löst in ihm lautstarke Empörung aus: „Ich habe zwar kein Messer gesehen, aber die Wunden fügte ich mir sicher nicht selbst zu.“ Auf die Frage des Verteidigers, ob er drogensüchtig ist, erwidert er: „Wenn ich zwei Tage lang nichts bekomme, dann …“ Er stockt und fährt fort: „Dass ich überhaupt noch hier sitze, wundert mich wirklich.“

Zur Ursache der Auseinandersetzung gibt er an: „Ich bin ein gutmütiger Mensch. Aber der da hat mich bestohlen. Als ich ihn zur Rede stellte, ging es rucki zucki!“ Nach seiner Aussage gibt er dem Angeklagten beim Verlassen des Gerichtssaals noch einen Rat mit: „Ich hoffe, du schlägst einen besseren Weg ein.“

Unbedingte Haftstrafe

Richterin Sonja Nachbaur spricht den 24-Jährigen im Sinne der Anklage schuldig, unter anderem wegen des Verbrechens der absichtlich schweren Körperverletzung. Die verhängte Freiheitsstrafe fällt mit achtzehn Monaten unbedingt aus, denn der Dornbirner hat bereits sieben einschlägige Vorstrafen. Eine bedingt ausgesprochene Gefängnisstrafe aus einer früheren Verurteilung wird widerrufen. Der nicht geständige junge Mann nimmt das Urteil eigenartigerweise sofort an.