Spitalsessen wird regionaler

20.10.2015 • 17:31 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
VN-Bericht vom Samstag, dem 5. September 2015.
VN-Bericht vom Samstag, dem 5. September 2015.

Regierung legt sieben Punkte vor. Spitalskost soll regional, saisonal und bio werden.

Bregenz, Feldkirch. Der Sieben-Punkte-Plan: EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker (60) hatte einen, um die Flüchtlingsfrage anzugehen. Russlands Präsident Vladimir Putin (63) präsentierte in sieben Punkten, wie der Ukrainekonflikt gelöst werden soll. Nun hat auch die Vorarlberger Landesregierung ihren Sieben-Punkte-Plan. Schwarz-Grün präsentierte ihn am Dienstag der Öffentlichkeit. Mithilfe dieses Planes soll mehr Regionalität auf die Teller der Vorarlberger Landeskrankenhäuser gebracht werden. Davon sollen nicht nur die Patienten profitieren; auch die Vorarlberger Landwirtschaft. Neue Arbeitsplätze könnten entstehen.

Schnell gehandelt

Sechs Wochen ist es her, dass die VN erstmals über tiefgefrorenes Import-Fleisch in der Feldkircher Zentralküche der Landeskrankenhäuser berichteten. Die Politik reagierte rasch, präsentierte am Dienstag ein fertiges Konzept, das in drei Wörtern erklärt werden kann: regional, saisonal, bio. Mit sieben Punkten soll dies gelingen.

Großküchen sind auf gewisse Produkte angewiesen; weil es der Produktionskreislauf verlangt, weil es die Hygienevorschriften fordern. Zum Beispiel werden bereits geschälte Kartoffeln verwendet, Eier gibt es in Flüssigform. Besagte Produkte werden im Land nicht hergestellt – bisher. Zusammen mit der landwirtschaftskammernahen Firma „Ländle-Qualitätsprodukte-Marketing“ wird überlegt, wie diese Produkte in Vorarlberg produziert werden könnten. Agrarlandesrat Erich Schwärzler (ÖVP, 62) erklärt: „Das könnte zum Beispiel in Form eines Sozialprojekts sein.“

3G soll es richten

Ein weiterer Punkt trägt den Titel „3G-Strategie“. Diese Strategie ist Teil des geplanten Ländle-Herkunfts- und Gütesiegels und betrifft die Ausschreibungskriterien für Lebensmittel. Die Krankenhausbetriebsgesellschaft (KHBG) wird als erstes Unternehmen danach handeln. Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP, 48) hofft, dass weitere folgen: „Es kann als Signal für Kindergärten oder Altersheime dienen.“

KHBG-Chef Gerald Fleisch (48) begrüßt den Plan: „Es ist ein weiterer Schritt in Richtung Regionalität. Bisher kommen bereits über 40 Prozent der Produkte aus Vorarlberger Produktion. Gutes Essen ist wichtig für die Gesundheit, wir sind bereit, den Mehraufwand zu tragen.“ Landesrat Johannes Rauch (Grüne, 56) relativiert die Kostenfrage: „0,85 Prozent des KHBG-Budgets werden für die Küche ausgegeben. Das sind drei Millionen. Da fallen fünf Prozent zusätzlich nicht ins Gewicht.“ Sein Parteikollege, Landtagsabgeordneter Daniel Zadra (30), forcierte das Thema zuletzt stark. Er jubelt: „Es ist ein schwarz-grüner Durchbruch für eine ausgewogene, gesunde und qualitätsvolle Nahrung in Vorarlbergs Krankenhäuser gelungen.“ Trotz aller Euphorie bremsen die Beteiligten ein wenig. „Es muss auch klar sein, dass das nicht von heute auf morgen umgesetzt werden kann“, sagt Fleisch.

Vorarlberg wird nie die gesamte Produktpalette bieten können. Brot zum Beispiel, wie Schwärzler erklärt: „Würde die Firma Ölz drei Tage lang mit Vorarlberger Mehl backen, gäbe es im ganzen Land keines mehr.“ Wo es geht, sollen die Produkte aus Vorarlberg stammen, auch das Fleisch. Um dies zu gewährleisten, werden zukünftig im Rahmen besagter „3G-Strategie“ die Metzger genauer kontrolliert, ob das Tier aus Vorarlberg stammt. 3G, das bedeutet: geboren, gemästet, geschlachtet. Eine externe Firma soll diese Kontrollen durchführen.

Deshalb sind wir bereit, den Mehraufwand zu tragen.

KHBG-Direktor Gerald Fleisch

0,85 Prozent des Budgets werden für die Küche ausgegeben.

Landesrat Johannes Rauch