Eine Rauferei, bei der sich ein jeder nur gewehrt haben will

21.10.2015 • 20:35 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Beim Taxistand am Bregenzer Bahnhof heizten sich zwei Berufskollegen gegenseitig ordentlich auf.  Foto: Symbol
Beim Taxistand am Bregenzer Bahnhof heizten sich zwei Berufskollegen gegenseitig ordentlich auf.  Foto: Symbol

Schläge, Tritte, blaue Flecken, zerrissenes Polo-Shirt: Taxler-Konflikt endet vor Gericht.

Bregenz. Ein Taxistand beim Bregenzer Bahnhof. Irgendwas mit einem „verlorenen Schlüssel“ und einer „offenen Rechnung“ war der Auslöser für einen Streit, der für zwei Taxifahrer am Bezirksgericht endete.

Doch worin genau der Zündstoff für die Auseinandersetzung lag, ist für Richter Christian Röthlin Nebensache. Ihn interessiert bei der Verhandlung nur, wer von den beiden wen geschlagen hat. Denn die Aussagen gehen auseinander.

Auch mehrere Zeugen wollen in der finsteren Nacht nur ein wütendes Geschrei und einen der Streithähne mit einem zerrissenen Polo-Shirt wahrgenommen haben. Etwa jene beiden jungen Burschen, die sich zum fraglichen Zeitpunkt zum Bankomat in der Nähe des Geschehens begaben. Der Grund: „Wir warteten bis null Uhr, um zu sehen, ob das Geld aufs Konto kommt.“

„Nur herumgeblödelt“

Lediglich ein weiterer Zeuge, ein Berufskollege der Taxifahrer, sah etwas von Schlägen und Tritten. Auch wenn er sich zunächst gedacht habe, „dass die beiden nur herumblödeln“.

Wesentlich konkreter werden natürlich die beiden Angeklagten selbst. Der 47-jährige Erstbeschuldigte zum Beispiel, der seinem Widersacher böse Worte in den Mund legt: „Er provozierte mich! Er schlug mir mit der Faust aufs rechte Auge! Er nannte mich ein A…loch! Er nannte mich einen Zigeuner! Und er spuckte mich an!“

Sein 33-jähriger Kontrahent hingegen beschwört vor dem Richter, ein gutmütiger Mensch zu sein, ohne Hang zum Schlagen. Das mit dem Anspucken mag ja gestimmt haben, aber: „Hätte ich ihn lieber schlagen sollen, oder was?“

Und wenn doch, dann habe er ihn nur abgewehrt. „Eben genau darum, weil ich mich gegen ihn wehren musste!“ Diese wehrhafte Handlung ging so weit, dass das Polo-Shirt seines Gegners nur noch in Fetzen über dessen Bauch hing. Aber auch jenem werden Schläge und Tritte angelastet. „Ja, weil ich mich schließlich gegen ihn wehren musste. Aber die Gewalt ging nicht von mir aus. Und einen Penner habe ich ihn auch nicht genannt“, glaubt er sich zu erinnern.

Dennoch, Richter Röthlin befindet aufgrund der Beweislage nur den Erstangeklagten für schuldig. Denn Prellungen sind lediglich beim Zweitbeschuldigten belegt, der mit einem Freispruch nach Hause gehen darf. Dem 47-Jährigen wird eine Geldstrafe in der Höhe von 40 Tagessätzen in der Höhe von jeweils vier Euro aufgebrummt. Für ihn inakzeptabel. Kopfschüttelnd nimmt er Bedenkzeit und geht von dannen.