Kieferbruch nach Gaudi

Vorarlberg / 21.10.2015 • 22:35 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Folgenschwerer Streit nach Fußballspiel
endete am Landes­gericht Feldkirch.

Christiane Eckert

Feldkirch. Im Juni veranstaltete der Fußballverein in Feldkirch Nofels ein Zeltfest. Es wurde reichlich getrunken, alle an der Bar hatten laut dem späteren Opfer „eine Gaudi“. Dann brachen einige der Gäste auf und machten sich in den frühen Morgenstunden auf den Heimweg. Sie hatten ein Taxi gerufen und schlenderten zur Hauptstraße in der Nähe des Milchhofes. Einer der Jungen hatte seine Jacke vergessen und ging nochmals kurz zurück. Aus Versehen rempelte einer der Besucher einen anderen Gast, da gab eins das andere und ehe es sich der junge Mann versah, erhielt er einen Schlag ins Gesicht und lag am Boden. Ein „Veilchen“ erinnerte ihn eine Woche lang an den Vorfall. Doch der Streit ging noch weiter. Die eine Gruppe rannte weg, die anderen jungen Leute ihnen nach.

Schwer verletzt

Ein 23-jähriger Angestellter gab einem Kontrahenten eine wuchtige Ohrfeige. Der 24-jährige Bäcker fiel um und lag schwer verletzt am Boden.

Das angetrunkene Opfer trug einen offenen Kieferbruch davon und musste operiert werden. Seine Lippe platzte auf, drei vordere Zähne brachen vollständig ab, die Nase war gebrochen und musste ebenfalls operiert werden. Zwei Wochen war der junge Mann im Krankenstand. Doch damit immer noch nicht genug. Ein weiterer junger Mann gesellte sich dazu. Der 23-Jährige fühlte sich bedroht, fasste den Kontrahenten an der Hüfte und riss ihn zu Boden. Auch dieses Opfer büßte einen Teil eines Zahnes ein und klagte eine Woche über Rückenschmerzen.

Viel Alkohol

Einige der Gäste hatten auf dem Fest reichlich getrunken. Von zehn Bier plus Hochprozentigem ist die Rede, der Erstangeklagte weiß überhaupt nichts mehr. Er hat Glück, denn ihn hat niemand schlagen oder treten gesehen. Nicht einmal die Opfer können mit Sicherheit sagen, dass auch dieser Mann an jenem Abend austeilte. Der 20-jährige, bislang unbescholtene Elektriker wird somit freigesprochen. Sein Kumpel, der 23-jährige Oberländer hat hingegen weniger Glück.

„Mein Mandant ist geständig, einen Kontrahenten geohrfeigt zu haben, mit der Faust hat er jedoch nie zugeschlagen“, so Verteidiger Thomas Raneburger. Und er kann das Gericht überzeugen. Die Richterin geht von einer Ohrfeige aus. Das Urteil wegen schwerer Körperverletzung: 560 Euro unbedingte Geldstrafe, nochmals so viel auf Bewährung. Den Opfern muss der 23-Jährige 500 und 200 Euro Teilschmerzensgeld bezahlen. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Mein Mandant ist geständig, einen Kontrahenten geohrfeigt zu haben, mit der Faust hat er jedoch nie zugeschlagen.

Thomas Raneburger