Roma halten Politiker auf Trab

Vorarlberg / 21.10.2015 • 21:56 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Rückten mit Mähtraktor bei Roma-Siedlung an: ÖBB-Mitarbeiter bei der Bahntrasse im Bereich von Dornbirn. Foto: VOL
Rückten mit Mähtraktor bei Roma-Siedlung an: ÖBB-Mitarbeiter bei der Bahntrasse im Bereich von Dornbirn. Foto: VOL

Räumung von Roma-Zeltlager in Dornbirn durch ÖBB entfacht politische Debatte.

Dornbirn. (VN-tw) Ein Mähtraktor und Werkzeug zum Abholzen. Mit diesen Gerätschaften „bewaffnet“ marschierten gestern, Mittwochvormittag, Mitarbeiter der Bundesbahnen an der Trasse der Bahn im Bereich Dornbirn auf. In der Folge fielen mehrere Bäume und viel Gras wurde gemäht. Der Einsatz hatte freilich noch einen anderen Grund: Die ÖBB wollten damit Roma-Familien, die bereits vor Wochen entlang der Bahntrasse Zelte aufgestellt hatten, „aus Sicherheitsgründen zum Verlassen des Bahndammes bewegen“. 

Hab und Gut bereits gepackt

Die Bahnoberen hatten die Rodung des Geländes angekündigt. Die meisten der zwischen 40 und 80 Roma hatten deshalb ihr Hab und Gut bereits zusammengepackt. Eine Rückkehr nach Rumänien sei nicht mehr möglich, lautete der Tenor. Ein Hochwasser habe ihre Wohnungen in ihrer Heimat vernichtet. Die rasche Unterbringung und künftige Vorgangsweise gegenüber den Roma hält die Politiker mächtig auf Trab. „Erste Priorität hat für mich die Unterbringung von Müttern und Kindern“, betonte Soziallandesrätin Katharina Wiesflecker (51, Grüne).

Kolpinghäuser und Private

In einer Sitzung habe man sich auf drei Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe geeinigt. Sowohl im Haus Kaplan Bonetti in Dornbirn als auch in den Kolpinghäusern von Bregenz und Götzis habe man 20 Plätze für Mütter
und Kinder „für die Aufenthaltsdauer von bis zu fünf
Tagen schaffen können“, sagte Wiesflecker („Eine Räumung kann nicht die Lösung sein“).

„Kindeswegnahmen“ hält sie im Gegensatz zu LH Markus Wallner (48, VP), der dies bei akuter Gefahr für Kinder vorgeschlagen hatte, für kein adäquates Mittel. Wiesflecker verweist „auf die Bestätigung durch die Kinder- und Jugendhilfe der Bezirkshauptmannschaft Dornbirn, dass die Roma-Mütter ihre Kinder derzeit gut versorgen“. Auch einzelne Bürger haben angeboten, ihr Grundstück für legales Campieren zur Verfügung zu stellen. Diese Vorschläge würden geprüft.

Kontakt zu rumänischer Caritas

Parallel dazu werde auch erhoben, wie andere Bundesländer, die bereits seit Jahren mit diesem Thema konfrontiert seien, mit der Problematik umgehen würden. Und darüber hinaus stehe man in Kontakt mit der Caritas in Rumänien, sagte Wiesflecker. „Leider sind die Perspektiven für die Roma in ihrer Heimat fast noch schlechter. Hier können sie wenigstens betteln.“

Russ-Preis-Träger eilt zu Hilfe

Während die Debatte um die Roma weiter für einen politischen Schlagabtausch sorgt und die Grünen über Klubobmann Adi Gross (53) der Dornbirner Stadtchefin Andrea Kaufmann (46, VP) „planlosen Aktivismus“ vorwerfen, schritt Russ-Preis-Träger Elmar Stüttler (63), der Gründer und Obmann der Hilfsorganisation „Tischlein deck dich“ zur Tat: Stüttler konnte in der Alpenstadt Bludenz ein Haus organisieren. In der Folge verlud er deren Hab und Gut und brachte die Mütter mit ihren Kindern am Mittwochabend ins Oberland. Damit konnten die von der Räumung betroffenen Kleinkinder mit ihren Müttern ein Dach über dem Kopf finden und zumindest vorübergehend in Sicherheit gebracht werden.

Schutz für Kinder mit Müttern. Dort liegt mein Fokus.

Katharina Wiesflecker