Zeugnistag für Spitzenköche

Vorarlberg / 21.10.2015 • 20:57 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Neueinsteiger: Miguel Angel Domingo Jabonero schwingt im Dos in Brand den Kochlöffel. Foto: Gemeinde Brand
Neueinsteiger: Miguel Angel Domingo Jabonero schwingt im Dos in Brand den Kochlöffel. Foto: Gemeinde Brand

Heute erscheint der Gault Millau 2016 –
die VN präsentieren
die Vorarlberger Er­gebnisse.

Schwarzach. (VN-ger) Eines ändert sich so schnell wohl nicht: Der Arlberg erweist sich auch im aktuellen Testjahr als absolute Feinschmecker-Hochburg in Vorarlberg. Die Griggeler Stuba in Oberlech („Schon bisher besonders auf das Produkt fokussiert, geht Probost nun einen Schritt weiter und verzichtet oftmals auf die Schaffung eines harmonischen Ganzen“) musste zwar einen Punkt abgeben, dafür konnten der Almhof Schneider und die Rote Wand mit einem Punkt mehr auftrumpfen. „Das Hirschkalb bester Qualität kommt mit dreierlei Topinambur, hauchdünn geraspelten Bregenzer Champignons und Zuger Vogelbeeren in dem zeitlosen, kleinen Hirschzimmer auf den Tisch. Zum Abschluss erlebten wir das vielleicht beste Dessert des Arlbergs: terrinenartige Schokolade mit Macadamianuss, dazu Buddhas-Hand-Sorbet und eine in subtile, knusprige Haut gehüllte warme Schokolade“, schwärmt der Gault Millau etwa von Manuel Grabner, seit 2010 Küchenchef der Roten Wand.

Insgesamt vergaben die Gault-Millau-Tester in Vorarlberg heuer 70 Hauben an 45 Lokale – das sind um sechs Restaurants weniger als im Vorjahr. Waren es in der 2015er-Ausgabe elf Restaurants mit 13 Punkten und 19 mit 14 Punkten, sind es aktuell nur mehr zwölf Restaurants mit 13 Punkten und zwölf mit 14 Punkten. „Gerade im Bereich der 14 Punkte hat sich viel getan“, zieht Herausgeberin Martina Hohenlohe Bilanz.

Doch es gibt nicht nur Verlierer. Im Haubenbereich haben gleich vier neue Lokale Einzug gehalten. 13 Punkte einheimsen konnte das Mizzitant von Denise Amann, die es „nach dem stillen Ende des St’ill in Feldkirch in das verschlafene Bludenz verschlagen“ hat.

Ebenfalls 13 Punkte waren den Testern die Kostproben im Dos in Brand wert. „Miguel Angel Domingo Jabonero bringt nicht alltägliche Kombinationen spanisch-österreichischer Küche auf die Teller – gelungen und köstlich. Ein aufmerksam-charmanter Service sowie der einzigartige Blick auf die Brandner Bergwelt komplettierten den durchwegs positiven Eindruck“, wird in der Bewertung hervorgehoben. Mit gleich 14 Punkten belohnte der Gault Millau die Wunderkammer im Almhof Schneider: „Die Familie Schneider hat es als einer der ersten Spitzenhoteliers am Arlberg begriffen: Casual ist angesagt“, loben die Tester.

„Luxusreise“

Als „bemerkenswerte Neueröffnung“ beschreibt Martina Hohenlohe im Interview die Post in Dalaas. Gustav Jantscher konnte bereits im Montafonerhof in Tschagguns und im Hotel Löwen in Schruns zwei Hauben erkochen. Nach Stationen in Graz („Jantscher im aiola“), Ischgl („Mad“) und im Schweizer Unterengadin (Hotel Paradies) ist der gebürtige Steirer wieder zurück in Vorarlberg und hat offenbar auf Anhieb einen bleibenden Eindruck hinterlassen: „Was der Gruß aus der Küche verspricht, eine kulinarische Luxusreise nämlich, ohne das Klostertal verlassen zu müssen, das halten sämtliche der acht Gänge, die Küchenkünstler Jantscher seinen Gästen auftischt. Selten zuvor hat Dillkraut so aufregend geschmeckt“, lautet das 16-Punkte- und Zwei-Hauben-Urteil der Tester.

Drei Höchstpreise

Österreichweit wurden im Gault Millau 582 Restaurants mit einer Haube ausgezeichnet, am meisten davon in Wien (113).

Eine Rarität bleiben nach wie vor die Vierhauber. Lediglich drei Restaurants dürfen sich über die Höchstauszeichnung freuen: das Obauer im salzburgischen Werfen, das Steirereck im Stadtpark in Wien und das Simon Taxacher in Kirchberg in Tirol.

Zum Abschluss erlebten wir in der Roten Wand das vielleicht beste Dessert des Arlbergs.

Gault Millau
„Insgesamt fühlt sich das gesamte Lokal so an, als ob man bei Frau Amann zu Hause isst“, schreibt der Gault Millau über das Mizzitant. VN/PS