Haft für den Missbrauch von Daten im Internet

22.10.2015 • 20:40 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Onlineshopping wird immer wieder zum Betätigungsfeld für kriminelle Machenschaften. Foto: Symbol
Onlineshopping wird immer wieder zum Betätigungsfeld für kriminelle Machenschaften. Foto: Symbol

Exmitarbeiter von Call Center bestellte in neun Fällen für sich selbst.

Christiane Eckert

Feldkirch. Drei Monate lang arbeitete der gelernte Büro­kaufmann in einem Call Center. Als sogenannter Call Center Agent managte er von der Türkei aus Kundenbestellungen. Große Versandhäuser – ob Mode-, Elektronik- oder Universalversand – delegieren die Abwicklung von Onlineverkäufen an separate Firmen. In einer solchen war der 28-Jährige beschäftigt. Dort missbrauchte er sein Wissen. Mit Kundennummer und Geburtsdatum kann man für Herrn Müller ein Handy oder für Frau Mustermann ein i-pad bestellen. Die Rechnung geht an die beiden, die Ware geht an die angegebene Adresse und das war natürlich die des Mitarbeiters, der nun als Angeklagter am Landesgericht Feldkirch verurteilt wurde.

Verdacht geschöpft

Dass diese Lüge bald auffliegen würde, liegt auf der Hand. Spätestens wenn die Unschuldigen eine Rechnung vom Versandhaus bekommen, werden sich diese Menschen beschweren. Dann hätte man zurückverfolgen können, wohin die Elektronikware geschickt wurde und man hätte den Betrüger geschnappt. Wie sich das der junge Mann, der sich im Internetversand bestens auskennt, vorstellte, ist unklar. Aber noch vor dem Verschicken der Ware schöpfte sein Arbeitgeber Verdacht und erstattete Anzeige. Der Schwindel flog auf, weil die Waren alle an die gleiche Zustelladresse gehen sollten.

Schuldspruch unumgänglich

Insgesamt neun Mal versuchte der junge Mann, Ware zu ergaunern. Der Schöffensenat sah somit eine Gewerbsmäßigkeit als gegeben. Auch der Schadensbetrag, der eingetreten wäre, wenn die Sache funktioniert hätte, verschärfte die Strafe zusätzlich. Der Mann hätte immerhin Ware im Wert von 4300 Euro ergaunert. Verteidiger Florin Reiterer kann das Gericht überzeugen, dass es sich um einen betrügerischen Datenverarbeitungsmissbrauch und nicht um Betrug handelt. Das senkt den Strafrahmen von maximal zehn Jahren auf maximal drei Jahre. Richter Martin Mitteregger spricht eine unbedingte Haftstrafe von zehn Monaten aus. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.