Kletterprofis und ihre Arbeit auf Blattriesen

Vorarlberg / 22.10.2015 • 20:06 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Fachagrarwirt Peter Mathis klettert mit Hand- und Fußsteigklemme auf die Föhre. Fotos: D. Stiplovsek
Fachagrarwirt Peter Mathis klettert mit Hand- und Fußsteigklemme auf die Föhre. Fotos: D. Stiplovsek

Christoph Ölz und sein Team begeben sich für die Baumsanierung in luftige Höhen.

Dornbirn. (VN-bem) „Das sind Spitzensportler“, sagt Walter Ölz und schaut nicht ohne Stolz zu den Männern, die gut 20 Meter von uns entfernt hoch oben in den Föhren an der Dornbirner Fischbachgasse klettern. Trockenes Wetter, blauer Himmel und Sonnenschein bieten ideale Bedingungen. Der 66-Jährige übernimmt bei schwierigeren Baumsanierungseinsätzen an Straßen für seine Söhne Christoph und Hanno gerne den sogenannten „Bodendienst“. Passanten und Autofahrer entlang der Fischbachgasse müssen angehalten werden, wenn wieder ein Ast am blauen Sicherungsseil langsam zu Boden gelassen wird. „Vor einem älteren Herren haben die Passanten einfach am meisten Respekt“, wirft Christoph Ölz (35) mit einem Lachen ein.

„Die Föhren wurden vor 100 Jahren vom Dornbirner Fabrikanten Viktor Hämmerle im gesamten Bereich des Fischbaches gepflanzt“, erklärt Christoph Ölz von der Firma Gehölz. Der Fachagrarwirt für Baumpflege ist seit zehn Jahren vom Bodensee bis zum Arlberg für die Blattriesen im Einsatz. „Diese 15 Föhren sind ca. 30 Meter hoch und jeder Baum wiegt etwa 25 Tonnen. Wir kontrollieren sie auf Krankheiten, entfernen das Totholz und kürzen die Äste in Richtung der gegenüberliegenden Hausfassade“, sagt der Dornbirner und fügt hinzu: „Danach bauen wir ein Kronensicherungssystem aus Seilen ein, das den Baum zusätzlich stabilisiert.“

Gute Ausrüstung

Für die Baumsicherung jeder einzelnen Föhre brauchen die drei hauptberuflichen Kletterer Christoph, Bruder Hanno Ölz (32) und Peter Mathis (36) gut zwei Stunden. Die Kletterer tragen spezielles Klettergeschirr für Baumarbeiten. Ihr festes Schuhwerk wird durch die Baumrinde stark beansprucht. Zuerst wird ein dünnes Seil in einem Seilsack mit einem „BigShot“, einer Art Armbrust, in eine Astgabel der Föhre geschossen. „An diesem Seil ziehen wir dann das Aufstiegs- und Rettungsseil in die Krone. Anschließend steigen wir mit Hand- und Fußklemme in die Krone.“ An einem der luftigsten Arbeitsplätze im Land installieren sie ihr eigentliches Klettersystem, die Doppelseiltechnik. „Alles frei?“, fragt Christoph Ölz die beiden Männer am Boden. „Alles frei!“ Und schon wird mit einer leichten „Top handle“-Motorsäge, die ebenso an einem Seil hängt, ein weiterer großer Ast abgesägt und mithilfe von Bodensicherer Florian Vetter (25) langsam in Richtung Straße gebracht. Äste mit einem Durchmesser von bis zu zehn Zentimetern werden mit einer Japanischen Zugsäge per Hand abgetragen, bei größeren Ästen kommt schon mal eine Motorsäge mit einem 1,25 Meter langen Blatt zum Einsatz.

Ohne Winterpause geht es das ganze Jahr immer hoch hinauf. Ölz und sein Team kümmern sich um Bäume erst ab einer Höhe von zehn Metern. „Im Winter erledigen wir kompliziertere Fällungen und Baumsanierungen im steilen Gelände und bei Frost und Schnee in Naturschutzgebieten. Dabei arbeiten wir auch mit einem Helikopterteam“, gibt der 35-jährige Familienvater einen Einblick. Ihr Fachwissen bringt sie regelmäßig zu Einsätzen ins Ausland: nach München, Nürnberg oder an den Lago Maggiore.

Christoph Ölz legt das Sicherungsseil um den abgestorbenen Ast, bevor er ihn absägt.
Christoph Ölz legt das Sicherungsseil um den abgestorbenen Ast, bevor er ihn absägt.