Streit um lockeren Schneidezahn

Vorarlberg / 22.10.2015 • 22:40 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Dornbirner behauptet, ein 54-Jähriger habe ihm mit der Faust einen Zahn etwas gelockert.

Dornbirn. Faustschlag oder Ohrfeige? Das ist hier die Frage. Für den am Bezirksgericht Dornbirn angeklagten 54-jährigen Bregenzer ist klar: „Im Sinne der Anklage bin ich unschuldig! Ansonsten schuldig nur insofern, als dass ich damals die Nerven verloren habe!“ Nur, was ist damals, am späten Abend des 2. August dieses Jahres, in einer Dornbirner Bar geschehen?

Etwas, wofür ein 37-jähriger Dornbirner heute über 2900 Euro Zahnarztkosten, 500 Euro Schmerzensgeld und einen Verdienstentgang in Höhe von 1000 Euro verlangt. Blitzschnell sei damals die Faust des Beschuldigten in sein Gesicht gedonnert, habe sein Schneidezahn Nummer 21 geschmerzt und anschließend gewackelt. Der Schlag müsse heftig gewesen sein, habe später auch sein Zahnarzt festgestellt. So das Opfer vor Richter Franz Plasinger.

„Ständig provoziert“

Der Beschuldigte selbst sprüht vor energischem Selbstbewusstsein, weist die Aussagen des angeblichen Opfers ins Reich der Fantasie und verteidigt sich lautstark: „Ich habe mich mit diesem Typen noch nie verstanden. Das geht nun schon seit Jahren so. Er hat mich provoziert, immer nur gestänkert und gestichelt!“

So sei es auch damals in der Bar gewesen. Er habe ihn geradezu aufgefordert zuzuschlagen. „Mach es, mach es, schlag mich!“ habe sein Kontrahent gesagt.

Bis er selbst schließlich doch noch zugelangt habe, aber: „Es war kein Faustschlag. Ich habe ihm nur eine Watsch´n verpasst und ihn dabei lediglich mit zwei Fingern erwischt. Da war keine geplatzte Lippe, keine Schwellung und keine Spur von Blut. Unmöglich, dass da ein Zahn wackelt. Aber er sagte danach zu mir: So, jetzt zahlst du mir den Zahn!“

Im Übrigen habe sein angebliches Opfer schon früher Probleme mit Implantaten im Gebiss gehabt, das wisse er. „Der sucht nur einen Zahlemann! Eine Reparatur auf meine Kosten!“

„Klatschen einer Watschen“

Zeugen erscheinen. Unisono lauten ihre Aussagen und geben dem Bregenzer recht: „Faustschlag war das keiner“, war zu hören, oder „Da war nur das Klatschen einer Watschen zu hören“, und „Es war nur eine Ohrfeige mit dem Handrücken“.

Richter Plasinger erscheint die Beweislage für einen Schuldspruch zu dünn. Er spricht den Bregenzer von der Anklage frei, das angebliche Opfer wird bezüglich seiner Schadenersatzansprüche auf den Zivilrechtsweg verwiesen.