Schamanen-Rasseln statt illegaler Drogen

Vorarlberg / 23.10.2015 • 22:30 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
VN-Bericht vom 28. August 2015.
VN-Bericht vom 28. August 2015.

Merkwürdige Äußerungen machten die Polizei bei Telefonüberwachung hellhörig.

Dornbirn. Seit Jahren haben die Drogenfahnder den 47-jährigen Dornbirner nicht nur im Visier, sondern auch im Gehör. Immerhin bringt er es bisher auf 24 Vorstrafen, 13 davon einschlägig wegen Rauschgiftdelikten. So wurden bei ihm gewisse Geschäftsgebarungen über das Telefon vermutet. Tatsächlich gab die angezapfte Strippe rätselhafte Kommunikationen preis. So war bei den Gesprächen, die der Drogensüchtige mit seinem unmittelbaren Bekanntenkreis führte, immer wieder von „Kräutersuppe und Milch“ die Rede. Bei der letzten Verhandlung am Bezirksgericht Dornbirn gab der 47-Jährige an, regelrecht „milchsüchtig“ zu sein (die VN berichteten, siehe Faksimile). Auch „Kräutersuppe“ helfe dem im Substitutionsprogramm Stehenden eher auf die Beine als Medikamente.

„Dealerzinken“

Polizei und Justiz vermuten hinter diesen durchaus gesunden und wohltuenden Naturprodukten jedoch vielmehr milieuinterne Synonyme für durchaus ungesunde und folgenschwere Substanzen wie Kokain, sogenannte „Dealerzinken“. Denn der Handel und Konsum mit „Schnee“ ist es schließlich, der den Dornbirner immer wieder auf die Anklagebank brachte und bringt. So auch diesmal, als nach der letzten Verhandlung eine weitere Zeugin von Richter Frank Plasinger einvernommen wird. Die 33-jährige Frau steht im Verdacht, den Beschuldigten mit illegalen Drogen versorgt zu haben. Denn auch ihre Stimme war den Horchern am Telefon nicht fremd.

Was es denn beim letzten Gespräch zwischen den beiden zu bedeuten hatte, wenn von „Milch trinken“ und „habe kein Stück davon“ die Rede war, will der Richter von ihr wissen. „Kann mich nicht erinnern“, kommt als Antwort, und „ich weiß ja nicht mal mehr, was ich gestern zu Mittag gegessen habe.“

Völlig stutzig machte die Mithörer jedoch vor allem eine Äußerung des Angeklagten am Telefon: „Ich muss mit dem Preis runtergehen, sonst bleibe ich auf dem Zeug sitzen.“

„Nicht losgebracht“

Was war mit dem „Zeug“ gemeint? Die 33-Jährige ist um eine Antwort nicht verlegen: „Wissen Sie, ich war in Kolumbien und habe dort einem Schamanen ein paar Rasseln abgekauft und sie dem Beschuldigten gegeben. Der wollte das Rasselzeug in Vorarlberg unter die Leute bringen, brachte es aber nicht los.“

Wie erwähnt, befindet sich der Angeklagte in einem Substitutionsprogramm bei einer Drogenberatungsstelle. Vehement beteuert er, in den vergangenen Jahren kein Kokain geschnupft zu haben. Höchstens ein bisschen Hasch hätte er konsumiert. Aber er muss sich regelmäßig Drogentests unterziehen. Und genau hier hakt der Richter jetzt ein: „Sie werden mir innerhalb der nächsten 14 Tage die Ergebnisse der Tests vorlegen.“ Um zu sehen, welche Substanzen bei diesen Resultaten aufscheinen, vertagt Plasinger die Verhandlung.

Mit Rasseln wie dieser will der Beschuldigte gehandelt haben.
Mit Rasseln wie dieser will der Beschuldigte gehandelt haben.