Wenig Begeisterung für neue Ärztebereitschaft

23.10.2015 • 18:30 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Allgemeinmediziner halten vor allem das geplante Zweisprengelsystem für ungeeignet.

Dornbirn. (VN-mm) Die Skepsis der niedergelassenen Allgemeinmediziner gegenüber dem neuen Bereitschaftsdienstmodell, das am 1. November starten wird, ist nach wie vor groß. Das geplante Zweisprengelsystem wird als ungeeignet für eine flächendeckende Versorgung angesehen. Zudem sorgen sich die Mediziner um den kurativen Tagbereitschaftsdienst. Er wird derzeit vom Land mit jährlich rund 700.000 Euro finanziert. „Es gibt Signale von Landesseite, die eine Einstellung befürchten lassen“, sagt Burkhard Walla, Kurienobmann der niedergelassenen Ärzte.

Gesundheitslandesrat Christian Bernhard dementiert. „Es besteht nicht die Absicht, an der bestehenden Vereinbarung etwas zu ändern“, versicherte er auf VN-Nachfrage. Und er will noch einmal betont haben, dass mit der neuen Bereitschaftsdienstregelung vorerst ein Bereich abgedeckt werden soll, der nicht funktioniert, nämlich die öffentlich-rechtlichen Dienste, zu denen Totenbeschauen und Einweisungen nach dem Unterbringungsgesetz gehören.

Wenig Motivation

Am Donnerstagabend hatte die Kurie der niedergelassenen Ärzte zu einer Informationsversammlung geladen. Rund 50 nahmen daran teil. „Wir haben das System vorgestellt und darüber diskutiert“, berichtet Burkhard Walla von einer sachlichen Darstellung. Gleichzeitig ortet er bei den Praktikern wenig Motivation, sich am Projekt zu beteiligen. „Die Gemeindeärzte sind überzeugt, dass sie wesentlich mehr bieten, als das ein Zweisprengelsystem kann“, ergänzt Walla, der diese Lösung ebenfalls nicht gutheißt. Kein Arzt könne in der Nacht drei Stunden durchs Land fahren, um eine Totenbeschau durchzuführen.

Außerdem sei die Beibehaltung der kurativen Bereitschaft auch untertags im Sinne einer guten Erreichbarkeit nach Meinung der Allgemeinmediziner wichtig. An sich wäre die Finanzierung dieser Dienste eine Angelegenheit zwischen Ärztekammer und Gebietskrankenkasse. Doch weil sie nicht im Gesamtvertrag enthalten sind, schießt das Land das nötige Geld zu. Dabei geht es um die Tage zwischen Montag und Freitag. Wochenenden und Feiertage werden aus dem Gesamttopf bezahlt. Daran wird sich laut Christian Bernhard auch nichts ändern.

Teure Ausweitung

Im Zusammenhang mit dem neuen Bereitschaftsdienstmodell hätte sich die Ärztekammer bei mehr Sprengeln einen Ausbau der Tag- und Nachtdienste gewünscht, da es in manchen Gemeinden keinen solchen Dienst mehr gibt. Allerdings käme diese Ausweitung deutlich teurer. Jetzt werden die sanitätspolizeilichen Agenden geregelt. Zudem gibt es einen kurativen Dienst für Pflegeheime. Ärzte können sich, wie mehrfach berichtet, auf einer elektronischen Buchungsplattform selbstständig für die Bereitschaftsdienste eintragen. Die Ärztekammer will das Projekt genau beobachten, gleichzeitig aber auch für das eintreten, was ihr wichtig ist, kündigt Burkhard Walla an.

Wir werden das neue Modell jetzt einmal genau beobachten.

Burkhard Walla