Die Jugendwohlfahrt braucht schon wieder neue Führung

26.10.2015 • 19:06 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Derzeitige Leiterin wird abgelöst. Nachbesetzung soll noch in diesem Jahr erfolgen.

Bregenz. (VN-mm) Ein fürwahr kurzes Engagement war Veronika Verzetnitsch (50) in Vorarlberg beschieden. Nach nur zweieinhalb Jahren wurde der Posten der Oberösterreicherin als Leiterin der Kinder- und Jugendhilfe jetzt neu ausgeschrieben. „Wir sind in der Übergangsphase“, bestätigte Soziallandesrätin Katharina Wiesflecker auf VN-Nachfrage die Ablöse von Verzetnitsch. Mehr wollte sie zu dieser Personalrochade nicht sagen. Die Ausschreibung der Stelle erfolgte sowohl intern wie öffentlich. Eine Nachbesetzung soll noch in diesem Jahr gelingen.

Breite Verankerung

Vorrangige Aufgabe der künftigen Fachbereichsleitung ist laut Wiesflecker die stärkere Zusammenführung der öffentlichen sowie privaten Kinder- und Jugendhilfe. Gleichzeitig wird eine intensive Kooperation mit der neu im Sozialressort angesiedelten Koordinationsstelle für Kinderschutzfragen angestrebt. Nach dem Aus des Kompetenzzentrums mit Ende Juni 2015 hat dessen Leiter Werner Grabher die Geschäftsführung der Koordinationsstelle übernommen. „Der Kinderschutz muss breit verankert werden“, begründet Wiesflecker das Bemühen um ein Zusammenrücken.

Die Anbindung der Agenden des ehemaligen Kompetenzzentrums an ihr Ressort habe sich sehr bewährt, resümiert die Soziallandesrätin nach nur wenigen Monaten positiv. Durch die Koppelung von Fachbereich und Präventionsstelle könnten zusätzliche Synergien genutzt werden, sowohl personeller Art als auch hinsichtlich einer besseren Wirkung nach außen. „Außerdem ergeben sich mehr Steuerungsmöglichkeiten für die Präventionsarbeit“, nennt Katharina Wiesflecker als weitere
Felder Kinderbetreuungseinrichtungen, Krankenhäuser und Kindergärten. Denn: „Wir müssen den Kinderschutz als Präventionsmaßnahme überall integrieren.“

Kooperation mit Spitälern

Die bei ihr angesiedelte Koordinationsstelle befasst sich nach wie vor mit jenen Aufgaben, die schon dem Kompetenzzentrum für Kinderschutzfragen zugedacht waren. Da geht es zum einen um Kooperation und Beteiligung von Organisationen, Einrichtungen und Personen im Zusammenhang mit häuslicher Gewalt. Hier sollen noch mehr regionale Kooperationsbündnisse entstehen. Ebenso müsse die Zusammenarbeit mit Spitälern verstärkt werden. Katharina Wiesflecker verweist auf ein Projekt im Landeskrankenhaus Bregenz, bei dem es um Unterstützung für süchtige bzw. suchtgefährdete Eltern von Neugeborenen geht. „Die Sucht der Eltern belastet stark den Lebensalltag von Kindern“, erklärt Wiesflecker. Ein neues Aufgabenfeld stellt die Prävention und Deradikalisierung bei gewaltbereiten Jugendlichen und jungen Erwachsenen dar.

Auch Forschung und Qualitätsentwicklung werden vorangetrieben. So ist etwa die begleitende Evaluation von Maßnahmen zur Eindämmung häuslicher Gewalt geplant. Als besonders wichtig sieht Katharina Wiesflecker zudem die Aus- und Fortbildung zur Verankerung des Kinderschutzes in vorschulischen Einrichtungen an. Die Öffentlichkeitsarbeit zur Bewusstseinsbildung in Sachen Kinderschutz bezeichnet sie als ausbaufähig.

Holprige Nachfolge

Was die Neubesetzung der Führung des Fachbereichs Kinder- und Jugendhilfe betrifft, gibt sich die Soziallandesrätin optimistisch: „Es wird gut.“

Die Ausschreibungsfrist endet am 8. November. Als Werner Grabher vom Fachbereich der Kinder- und Jugendhilfe in das Kompetenzzentrum wechselte, ging die Nachfolgeregelung allerdings etwas holprig vonstatten. Zwei Anläufe waren notwendig, lange gehalten hat sie trotzdem nicht.

Wir müssen Kinderschutz als Prävention überall integrieren.

Katharina Wiesflecker