Die „Pille“ ist wieder im Gerede

27.10.2015 • 17:26 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Neue Präparate mit höherem Thromboserisiko. Panik ist jedoch nicht angebracht.

Bregenz. (VN-mm) Die Antibabypille, das nach wie vor meistverwendete Mittel zur Empfängnisverhütung, ist wieder ins Gerede gekommen. Konkret geht es um neuere Präparate der dritten und vierten Generation. Ihnen wird ein deutlich höheres Thromboserisiko nachgesagt, als dies bei Vorgängerpräparaten der Fall ist. Die Probleme sind schon seit Längerem bekannt und haben speziell in der Schweiz und in Frankreich für Aufregung gesorgt. Jetzt wurden sie durch einen unlängst in Berlin veröffentlichen „Pillenreport“ wieder angeheizt. Hans Concin, Frauenarzt und Hormonexperte, kennt die Diskussion. „Panik ist aber nicht angebracht“, betont er. Außerdem würden die meisten Frauenärzte in Vorarlberg besagte Antibabypillen nicht mehr verschreiben. Zum Einsatz kommen vorzugsweise die Pillen der zweiten Generation.

Relativierte Gefahr

Antibabypillen bedeuten ein Thromboserisiko, besonders, wenn Frauen auch noch rauchen. Es ist laut Hans Concin im Vergleich zu einer natürlichen Empfängnisverhütung zweifach erhöht. Die Pillen der dritten und vierten Generation verdoppeln demnach das Risiko. Was so drastisch klingt, lässt sich jedoch relativieren. „Bei jungen und gesunden Frauen ist das Thromboserisiko praktisch null und bezogen auf die kritisierte Pillengeneration damit auch immer noch gering“, sagt Hans Concin. Die offizielle Statistik spricht bei den älteren Präparaten von drei Betroffenen auf 10.000 Frauen. Bei den neueren Pillen sollen es laut Studien sechs bis neun Frauen sein.

Der Gynäkologe räumt ein, dass man bei solchen Ergebnissen durchaus hellhörig werden dürfe. Ihm selbst sei in 43 Jahren Berufserfahrung aber kein einziger Fall untergekommen, bei dem die Pille eine Thrombose oder einen Hirnschlag verursacht habe. Verträgt eine Frau das verschriebene Präparat nicht, mache sich das meist innerhalb eines Jahres bemerkbar. „Wenn die Frau damit zufrieden ist, wird nicht mehr umgestellt“, erklärt Hans Concin die gängige Vorgehensweise.

Individuelles Vorgehen

Dass die aktuelle Pillengeneration besonders bei jungen Frauen beliebt ist, hängt damit zusammen, dass diese Präparate auch sehr wirksam gegen unreine Haut sind. „Ein schöner Teint ist für junge Frauen oft wichtiger als die Verhütung“, weiß Concin. In solchen Fällen sei ein individuelles Vorgehen wichtig. Vor allem müssten die Frauen ihr familiäres Risiko für eine Thrombose kennen. Dann gelte es aufzuklären und abzuwägen. Ergänzend merkt Hans Concin noch an, dass es bezüglich Risiko keinen Unterschied zu Scheidenring und Scheidenpflaster gibt.

Nicht mehr auf dem Markt ist die erste, hormonell sehr hoch dosierte Pillengeneration. Die Nachfolgepräparate verhüten laut Studien genauso sicher wie die neuen. Hans Concin bedauert, dass es in der Empfängnisverhütung kaum wissenschaftliche Fortschritte gibt, weil nur noch wenig Geld in die Forschung investiert wird. Nach dem Auslaufen der Patente gebe es in diesem Bereich kaum noch etwas zu verdienen.

Jungen Frauen ist schöne Haut oft wichtiger als Verhütung.

Hans Concin