Monika Helfer

Kommentar

Monika Helfer

Was ist bloß mit den Frauen los?

Vorarlberg / 27.10.2015 • 19:59 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

„Was ist bloß mit den Frauen los?“, sagte der Mann zu seinem Freund. „Sie können nie genug kriegen.“

Das sagte er, nachdem ihm der Freund sein Leid geklagt hatte.

Er war seit zwanzig Jahre verheiratet, hatte zwei Kinder, seit zehn Jahren hielt er ein Verhältnis mit einer jungen Frau, er war zufrieden, seine Frau wusste nichts, oder tat so, als wüsste sie nichts, seine Geliebte aber wollte plötzlich geheiratet werden. Sie wollte ein Kind von ihm, und alles würde sie für ihn tun, bis zum Ende. Das versetzte den Mann in Panik, er wurde nervös und wollte die Beziehung beenden. Seine Freundin besuchte seine Frau und erzählte ihr alles. Es wurde sehr kompliziert. Fürs Erste redete der Mann seiner Frau gut zu, und sie verzieh ihm, und sie wurde schwanger. Das sagte er seiner Geliebten und hoffte inständig, die Probleme damit gelöst zu haben. Weit gefehlt. Umso mehr kämpfte seine Freundin um ihn. Sie hatte ihre Wohnung, die bisher ihr Liebesnest gewesen war, umbauen lassen, ein Kinderzimmer eingerichtet, und wartete jeden Freitag und Samstag auf ihren Geliebten. Er kam nicht mehr. Sie telefonierte, schrieb SMS bis zur Verzweiflung. Der Mann legte sich eine neue Nummer zu.

Die Geliebte ließ nicht locker. Sie besuchte die Frau abermals und freundete sich mit ihr an, bildete es sich zumindest ein. Die Frau hörte ihr zu, und weil sie sich in einer sicheren Position fühlte, hatte sie beinahe Mitleid mit ihrer Konkurrentin.

„Ich bitte Sie, Ingrid, tun Sie sich nichts an, das verdient er nicht!“

Ingrid hatte nämlich ihren Selbstmord angekündigt.

„Sie wird sich umbringen“, sagte die Frau zu ihrem Mann, „und du bist schuld.“

Wie sollte er sich verhalten? Er besuchte seinen Freund und sie zogen durch die Bars. Beide waren sie betrunken und flirteten mit jungen Frauen.

Der Freund, der unverheiratet war und nichts Fixes hatte – er sagte zu einer Beziehung, die er nicht hatte, „nichts Fixes“, als handle es sich um ein Geschäft –, riet ihm, einfach abzuhauen. Angeheitert, wie sie waren, beschlossen sie, gemeinsam ein geeignetes Ziel zu suchen, weit weg.

Dem Mann kamen seine Kinder in den Sinn, und er sagte, das könne er ihnen nicht antun. Er hatte zwar nie viel Zeit mit ihnen verbracht, dennoch liebte er sie.

„Schick ihnen Geld, schick auch deiner Frau Geld, mit Geld kannst du alles richten.“

„Wie wäre es denn, wenn du dich um Ingrid kümmern würdest, du hast immer gesagt, sie sei eine Superfrau, sie ist sanft und im Bett eine Erleuchtung.“

„Das würdest du mir, deinem Freund, antun wollen?“

„War ja nur so eine Idee.“

Sie wollte ein Kind von ihm, und alles würde sie für ihn tun, bis zum Ende.

monika.helfer@vorarlbergernachrichten.at
Monika Helfer ist Schriftstellerin und lebt in Hohenems.