Hilfe im Therapiedschungel

Vorarlberg / 28.10.2015 • 18:40 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Kurt Gerszi hat wieder gut ins Leben zurückgefunden und hilft nun anderen Schlaganfallbetroffenen. Foto: vn/stauber
Kurt Gerszi hat wieder gut ins Leben zurückgefunden und hilft nun anderen Schlaganfallbetroffenen. Foto: vn/stauber

Heute ist Weltschlaganfalltag. Experten und Betroffene möchten Lotsendienst.

bregenz. Kurt und Gabriele Gerszi hätten auch Unterstützung gebraucht, damals, als Kurt nach einer Hirnblutung zum Pflegefall wurde. „Die meisten, Betroffene wie Angehörige, sind nach einem solchen Ereignis total überfordert“, erzählt Gerszi. Vor allem die Übergänge zwischen Krankenhausaufenthalt und Rehabilitation sowie Entlassung aus der Rehabilitation in die eigene Wohnung stellen große Hürden dar.

Der Therapiedichte in stationären Einrichtungen folgen oft Therapieabbrüche und Pausen. „Dabei wirkt Therapie vor allem durch ständige Wiederholung“, weiß Peter Girardi, Geschäftsführer der Sozialmedizinischen Dienste (SMO). Gemeinsam wollen er und Kurt Gerszi nun
die Schnittstellenproblematik angehen und einen kostenpflichtigen Lotsendienst für Schlaganfallpatienten etablieren. Speziell auf das Krankheitsbild Schlaganfall geschulte Betreuer sollen Patienten aktiv auf dem Weg zurück in den Alltag begleiten: vom Akutereignis über die Rehabilitation bis hin zur häuslichen Nachsorge.  

Immer wieder Anfragen

In Vorarlberg erleiden jährlich rund 1100 Personen einen Schlaganfall. „Ziel muss die schnelle Rehabilitation sein, um eine Pflegebedürftigkeit zu verhindern“, erklärt Peter Girardi. Das heißt in der Praxis: zur richtigen Zeit und am richtigen Ort die richtige Dienstleistung bekommen. Tatsächlich scheint das aber nicht so einfach. Sowohl Girardi wie Kurt Gerszi, der 2013 in Tschagguns den Selbsthilfeverein „Net lugg lo!“ gründete, berichten von wiederholten Anfragen, weil Betroffene oder Angehörige nicht weiterwissen. „Viele fühlen sich mit ihrer Erkrankung alleingelassen“, bestätigen beide. In solchen Fällen bieten sie sich vorderhand als Lotsen an.

Praktische Hilfen

In Deutschland hat die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe, in deren Kuratorium auch Peter Girardi sitzt, einen Lotsendienst bereits als Modellprojekt auf den Weg gebracht. „Der Lotse übernimmt keine Aufgaben, die schon durch die beteiligten Leistungserbringer erfolgen, sondern organisiert diese effizient“, erklärt Girardi. Beispiele für praktische Hilfen sind: Überwachung
der Medikamenteneinnahme, Abstimmung von Arzt- und Therapeutenbesuchen, Unterstützung bei Anträgen. Schlaganfall-Lotsen haben außerdem ein Ohr für die Ängste und Bedürfnisse ihrer Klienten und sind Ansprechpartner für Angehörige. Bei allen Maßnahmen steht laut Peter Girardi die Erhaltung der Selbstständigkeit und Lebensqualität im Vordergrund. Ein Unterfangen, das besonders im ersten Jahr nach einem Schlaganfall oft schwierig ist. So lange dauert im Durchschnitt deshalb auch die Begleitung. Ein anderes Ziel ist das Verhindern weiterer Schlaganfälle.

Zur Umsetzung eines Lotsendienstes laufen Gespräche mit Versicherungen. Peter Girardi und Kurt Gerszi könnten sich die Abdeckung der Kosten, die für die Tätigkeit eines Lotsen anfallen, als Teil der Haushaltsversicherung vorstellen.

Infos zum Lotsendienst beim SMO-Gesundheitsmanagement,
Tel. 05574/52933, SHG „Net lugg lo“, Tel. 0650/4331960