Kautionsbetrügerin zu Geldstrafe verurteilt

28.10.2015 • 21:43 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Ex-Lebensgefährte kam mit Freispruch davon, im Zweifel musste man ihm glauben.

Christiane Eckert

Feldkirch. Sechs Fälle von schwerem Betrug warf die Staatsanwaltschaft Feldkirch einer 49-jährigen Geschäftsfrau vor. Die Frau, die mit Hunderttausenden Euro verschuldet ist, sah, das gibt sie selbst zu, keine andere Möglichkeit zu Geld zu kommen. Sie mietete selbst in Feldkirch ein schönes Objekt und köderte Wohnungssuchende. Interessenten kamen etliche. Die Leute sahen sich die Wohnung an und waren in den meisten Fällen bereit, sofort mehrere Tausend Euro Kaution auf den Tisch zu legen. Doch als sie einziehen wollten, behauptete die Betrügerin, sie könnte selbst noch nicht aus dem Haus ausziehen, weil es in der neuen Wohnung einen Wasserschaden gegeben hätte. Somit würde die zu vermietende Wohnung erst etwas später frei. Die Mietinteressenten setzten alle Hebel in Bewegung, dass sie inzwischen noch irgendwo bleiben konnten. Doch der Einzugstermin verschob sich von Mal zu Mal. Schlussendlich wollten die verzweifelten Wohnungssuchenden ihre Kaution zurück. Doch auch daraus wurde nichts. Vertröstungen, abgestellte Telefone, kein Kontakt mehr.

Opfer erzählten

Die Geschädigten schilderten im Zeugenstand, wie sie mit Kind und Kegel auf der Straße standen, die eigene Wohnung gekündigt, keine Bleibe, mit Hab und Gut allein gelassen. Dass die Kaution auch noch weg sein sollte, wollten einige nicht akzeptieren. Eine Dame recherchierte, machte Druck und bekam schlussendlich ihr Geld zurück. „Es war einfach die Hölle, ich konnte nicht schlafen, meine Kinder auch nicht“, erinnert sie sich zurück. „Das war ein großer Fehler, was ich da gemacht habe“, räumt die Angeklagte ein.

Der Schaden ist zum größten Teil gutgemacht. Der Senat spricht die Frau schuldig. Wegen Veruntreuung und schweren gewerbsmäßigen Betruges wird sie zu 1200 Euro unbedingter Geldstrafe verurteilt. An offenen Beträgen muss sie noch knapp 5000 Euro zurückzahlen.

Milderungsgründe

Der Senat berücksichtigte die bisherige Unbescholtenheit, das Geständnis und die umfangreiche Schadenswiedergutmachung. Der Exfreund der 49-Jährigen hatte Glück. Verteidiger Hubert Fitz kann den Senat überzeugen, dass der Mann nicht genau im Bilde war. Zwar war er bei den Zusagen dabei und wusste später auch, dass seine Freundin die Kaution zweckwidrig zur Bezahlung von Schulden verwendet hatte, doch dem Senat ist dies für einen Schuldspruch zu wenig.

Der Mann wird freigesprochen. Staatsanwalt Markus Fußenegger erklärt sofort Rechtsmittel, somit muss die Sache vor das Oberlandesgericht Innsbruck und vor den Obersten Gerichtshof.

Es war einfach die Hölle, ich konnte nicht schlafen.

Ein Opfer