Bürger wollen Apotheke

29.10.2015 • 17:46 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Walter Fontana vom Krankenpflegeverein (l.) und Christian Fiel stehen für eine Apotheke ein. Foto: etu
Walter Fontana vom Krankenpflegeverein (l.) und Christian Fiel stehen für eine Apotheke ein. Foto: etu

In Feldkirch-Tosters möchte Bürgerbewegung Ansiedlung einer Apotheke durchsetzen.

feldkirch. (VN-mm) Mitte der 1970er-Jahre wurde der erste Antrag gestellt. Danach wurde es ruhig um die Forderung nach einer Apotheke für den Feldkircher Ortsteil Tosters. „Aber das Bedürfnis der Bevölkerung ist formuliert und schriftlich eingebracht worden“, betont der Präsident der Vorarlberger Apothekerkammer, Jürgen Rehak, dass die Angelegenheit keineswegs vom Tisch ist, nur weil kein Ansuchen mehr gestellt wurde.

Jetzt hat auch die Bürgerbewegung „Apotheke für Tosters“ einen neuen Anlauf unternommen und in einem Brief an Bundes- und Landespolitiker ihren Wunsch nach Ansiedlung einer Apotheke oder Filialapotheke erneuert. Bislang steht beiden Möglichkeiten das Apothekergesetz entgegen.

Eingangsstempel

Zum einen ist da der Gebietsschutz für bestehende Apotheken, der besagt, dass die zu versorgende Bevölkerungszahl nicht unter 5500 sinken darf. Beide Innenstadtapotheken, die es betreffen würde, kommen laut Jürgen Rehak jetzt schon nicht auf diese Zahl. Zum anderen sieht das Apothekergesetz Filialen innerhalb einer Ortschaft nicht vor. „Im Fall Feldkirch könnte höchstens eine der Innenstadt-apotheken nach Tosters aussiedeln“, erklärt Rehak. Darüber sei auch schon des Öfteren gesprochen worden. Doch bislang ohne Erfolg. Neos-Nationalrat Gerald Loacker nahm das Schreiben der Bürgerbewegung nun zum Anlass, einen Antrag auf Gesetzesänderung einzubringen. „Vom Gesundheitsministerium bekam ich bislang nur den Eingangsstempel als Antwort“, ärgert sich Christian Fiel, Sprecher der Bürgerbewegung, über die Ignoranz anderer politischer Vertreter.

Weite Wege

Tosters ist mit etwa 5800 Einwohnern der zweitgrößte Ortsteil von Feldkirch. „Es gibt dort zwei Allgemeinmediziner, ein Seniorenheim, eine Wohnanlage für betreutes Wohnen sowie einen Krankenpflegeverein“, listet Christian Fiel die vorhandene Infrastruktur auf. Was noch fehlt, ist eine Apotheke. „Die Bewohner von Tosters sind daher gezwungen, sich ihre Medikamente in einem anderen Stadtteil zu besorgen“, sagt Fiel. Das bedeute oft Wege von mehr als zwei Kilometern, was besonders für kranke, ältere und gehbehinderte Personen eine große, zum Teil unzumutbare Belastung darstelle.

Die Bürgerbewegung, die sich in den vergangenen Monaten bildete, will nun der Forderung nach einer Apotheke für Tosters entsprechend Nachdruck verleihen. Nach Aussage von Christian Fiel wird das Anliegen auch vom örtlichen Krankenpflegeverein unterstützt, weil es immer öfter vorkomme, dass die Hauskrankenschwestern von den Patienten gebeten werden, Medikamente zu besorgen. Seine Sicht ist klar: „Ein Gebietsschutz für bestehende Apotheken ist absolut veraltet und nicht mehr zeitgemäß.“ Die Leidtragenden eines solchen Gesetzes seien die Bürger, und dies auf Kosten einer kleinen Interessengruppe. Apothekerkammer-Präsident Jürgen Rehak sieht die Notwendigkeit einer Apotheke in Feldkirch-Tosters ebenfalls gegeben. Er hat auch bereits bei der Österreichischen Apothekerkammer den Vorschlag auf eine Gesetzesänderung bezüglich Filialisierung gemacht.

Die Begeisterung war indes enden wollend, was Rehak nicht versteht. „Auch wir müssen auf gesellschaftliche Entwicklungen reagieren“, verweist er auf die dichter werdende Bevölkerung in Randgebieten. Die Infrastruktur ziehe nach, die Apotheke nicht. Was den Neos-Antrag betrifft, der muss im Gesundheitsausschuss behandelt werden. Wie SPÖ und ÖVP darauf reagieren, bleibe abzuwarten, äußert sich Gerald Loacker zurückhaltend.