Gefasster Nazi-Schmierer griff Polizistin mit Eisenstange an

29.10.2015 • 21:44 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Auch der jüdische Friedhof wurde geschändet. Foto: VOL.at/Rauch
Auch der jüdische Friedhof wurde geschändet. Foto: VOL.at/Rauch

17-Jähriger gesteht rechtsradikale Schmierereien in Hohenems und Altach.

Hohenems. Nach umfangreichen Ermittlungen der Beamten des Landesamts für Verfassungsschutz und der Polizeiinspektion Hohenems konnten die Sachbeschädigungen in Hohenems vom 4. und 18. Oktober 2015 geklärt werden: Spurenabgleiche sowie Sicherstellungen aus einer Hausdurchsuchung führten zu einem 17-jährigen Tatverdächtigen aus Hohen­ems.

Am 30. April 2015 hatte ein zunächst Unbekannter auf einer Social Media Plattform ein Posting mit strafbarem Inhalt laut Verbotsgesetz veröffentlicht. Den Beamten des Landesamtes für Verfassungsschutz gelang es daraufhin, den 17-Jährigen ausforschen. Es gab einen ersten Verdacht, der Mann könnte auch für die Vorfälle in Hohen­ems verantwortlich sein.

Geständig

Es folgte eine Hausdurchsuchung am vergangenen Mittwoch, bei der mehrere Beweisgegenstände sichergestellt wurden (darunter Aufkleber mit strafbarem Inhalt). Während der Durchsuchung attackierte der Jugendliche eine Beamtin mit einer Eisenstange, er konnte aber überwältigt werden. Die Polizistin blieb unverletzt.

Bei den weiteren Vernehmungen zeigte sich der junge Bursche schließlich geständig, an folgenden Tatorten antisemitische Sprüche sowie rechtsradikale Symbole und Äußerungen angebracht zu haben:

» Sachbeschädigungen am 4. Oktober 2015 in Hohenems: Asylunterkunft, jüdische Gedenksteine, am jüdischen Museum und drei weiteren Gebäuden

» Sachbeschädigungen am 18. Oktober 2015 in Hohenems: an der Eisenbahnunterführung, einer Kapelle und am jüdischen Friedhof

» Sachbeschädigungen am 18. Oktober 2015 in Altach: am islamischen Friedhof

» Verteilung von Flyern mit teilweise strafbarem Inhalt

Der Jugendliche, dem insgesamt 15 Straftaten vorgeworfen werden, wurde noch am Mittwoch in die Justizanstalt Feldkirch überstellt (Antrag auf Untersuchungshaft).

Ein Einzeltäter

Er wird wegen Verstoßes gegen das Verbotsgesetz, schwerer Sachbeschädigung, versuchtem Widerstand gegen die Staatsgewalt sowie versuchter schwerer Körperverletzung bei der Staatsanwaltschaft angezeigt. Er ist keiner rechten Gruppierung zuzuordnen und wird derzeit als Einzeltäter gewertet. Laut Polizeisprecherin Susanne Dilp war er in keiner politischen Partei oder Gruppierung tätig und habe vor allem über das Internet Kontakte zu ähnlich gesinnten Personen gepflegt, ein typisches Verhalten für Personen mit rechtsradikaler Gesinnung, so Dilp. Auch sei er abseits des Verbotsgesetzes  bisher nicht polizeirechtlich aufgefallen. Die Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen.

VN-Bericht vom 6. Oktober 2015.
VN-Bericht vom 6. Oktober 2015.
VN-Bericht vom 6. Oktober 2015.
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