Roma dürfen nicht hierbleiben

Vorarlberg / 29.10.2015 • 21:25 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Auch das Lager in Beschling sollten die Roma bereits geräumt haben. Und sie müssen das Land verlassen.  hrj
Auch das Lager in Beschling sollten die Roma bereits geräumt haben. Und sie müssen das Land verlassen.  hrj

Familien steht Rückführung nach Rumänien bevor. Vor-Ort-Hilfe wird intensiviert.

BLUDENZ, BREGENZ. (VN-hrj) Nach ihrer letzten Nacht in der Unterkunft in Bludenz heißt es nun für die noch etwa 30 dort verbliebenen Roma, sich für die Heimreise bereitzumachen. Die Unterbringung war bis heute (Freitag) möglich. Eine weitere Unterkunft konnte nicht gefunden werden. „Wir können jetzt nichts mehr tun“, sagt Joe Fritsche (51), Obmann der Hilfsorganisation „Stunde des Herzens“. „Wir als kleine private Hilfsorganisationen sind an unsere Grenzen gestoßen.“

Gemeinsam helfen

Mit „Wir“ ist auch RussPreis-Träger Elmar Stüttler gemeint. Der 63-jährige Obmann des Vereins „Tischlein deck dich“ und Fritsche haben sich in den letzten Tagen gemeinsam um das Wohl der Roma-Familien gesorgt, die ihre Lager in Dornbirn und Nenzing-Beschling räumen mussten. Und sie haben alles versucht, um eine weitere Wohnmöglichkeit aufzutreiben. Ohne Erfolg. Jetzt, sagt Fritsche, „ist die Politik am Zug“.

Seitens des Landes wird klargestellt, dass es zur Schaffung und Finanzierung von Dauerunterkünften für EU-Bürger jenseits des regulären Wohnungsmarktes in Vorarlberg keine Möglichkeit gebe. „Was wir an Notquartieren haben, benötigen wir dringend für Flüchtlinge aus Syrien, die vor Krieg und Terror Schutz suchen“, betont Soziallandesrätin Katharina Wiesflecker (51). „Wir unternehmen weiterhin alle Anstrengungen, um den Roma in ihrer sicherlich auch schwierigen Lage jede mögliche Unterstützung zukommen zu lassen.“ Das geschehe in Form von Rückkehr- sowie Vor-Ort-Hilfe. 

„Wir haben den Roma mitgeteilt, dass sie nicht hierbleiben können, sondern in ihr Herkunftsland zurückkehren müssen“, informiert Joe Fritsche. Das bestätigt Elmar Stüttler: „Die Roma haben hier keine Chance.“ Jetzt komme sicher auch noch die Einschränkung der Bettelerlaubnis. Das bedeute für die Roma, die ihren Lebensunterhalt durch Betteln bestreiten, extrem reduziertes Einkommen.

Von der Bezirkshauptmannschaft erhalten die Roma Tickets und Proviant für die Heimreise. Sieben seien laut Wiesflecker bereits nach Rumänien zurückgekehrt. Um den Weg ihrer Schützlinge weiter verfolgen zu können, sammeln Stüttler und Fritsche deren Adressen. „Das wird allerdings schwierig“, sagt Fritsche, „denn bei einigen Namen steht als Adresse nur ‚Rumänien, Wald‘“. Er und Stüttler planen nun gemeinsam die Gründung eines Vereins zur Unterstützung der Roma in Rumänien, und zwar in Kooperation mit Organisationen vor Ort. 

Das Land unterstützt inzwischen Projekte in Rumänien, die darauf abzielen, die Lebensverhältnisse der Roma vor Ort zu verbessern. Um die korrekte Verwendung der Gelder kümmere sich Pater Georg Sporschill.

Hier in Vorarlberg haben die Roma keine Chance.

Elmar Stüttler

Hier in Vorarlberg haben die Roma keine Chance.

Elmar Stüttler