Klaus Hämmerle

Kommentar

Klaus Hämmerle

Schweigen

Vorarlberg / 29.10.2015 • 18:55 Uhr / 2 Minuten Lesezeit

Über Anna Amann brach alles völlig unvorbereitet herein: Die Besachwalterung ihres Bruders, das Betretungsverbot für dessen Haus, der Brief des Sachwalters, der ihr Dinge vorwarf, die nachweislich nicht der Wahrheit entsprechen.

Mit 82 soll sie nun einfach verschwinden aus jenem Haus, in dem sie jahrzehntelang ein und aus ging, Dienstmagd für alles war, keinem etwas Böses tat. Den dementen Bruder soll sie nur noch auf Anfrage bei einer ihr nicht eben wohlgesonnenen Institution sehen dürfen.

Die, die das verfügt haben, schweigen. Weder der Sachwalter noch sein Chef noch das diese Vorgänge absegnende Bezirksgericht Dornbirn geben eine Stellungnahme dazu ab. Schweigepflicht – heißt es allerorten.

Es werden keinerlei Gründe erkennbar, die ein Quasi- Kontaktverbot zwischen den zwei alten Menschen rechtfertigen würden.

Unbestritten ist hingegen: Karl mag Anna und Anna mag Karl. Und angestellt haben sie beide nichts.

Sie per Gesetz zu trennen, ist ein Armutszeugnis.

Vielleicht muss man aus Scham darüber schweigen.

klaus.haemmerle@vorarlbergernachrichten.at, 05572/501-634