Wohl der Kinder im Vordergrund

29.10.2015 • 17:48 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Annegret Senn: Volkshilfe unterstützt Familien. Foto: HRJ
Annegret Senn: Volkshilfe unterstützt Familien. Foto: HRJ

Die Volkshilfe setzt sich für jene Menschen ein, die am Rande der Gesellschaft stehen.

SCHWARZACH. Die Volkshilfe Österreich wurde 1947 gegründet, in Vorarlberg gibt es die als Verein geführte Hilfsorganisation seit 1954. Annegret Senn steht der Volkshilfe Vorarlberg seit zwölf Jahren als Obfrau vor. Anlässlich der heutigen (Freitag) Generalversammlung der Volkshilfe in Bregenz zieht Annegret Senn für die VN Bilanz.

Was bedeutet der Begriff Armut für Sie?

Senn: Das ist ein sehr vielschichtiger Begriff. Er betrifft viele Bereiche, von der Kindes- bis zur Altersarmut. Arme Kinder werden oft auch arme Eltern. Diesen Teufelskreis zu durchbrechen, ist ein wichtiges Ziel. Von größter Bedeutung ist dabei die Schul- und Berufs- ausbildung. Ohne Abschluss geht heutzutage nichts mehr.

Wie hilft der Verein in Vorarlberg?

Senn: Unser Hauptaugenmerk liegt bei der Unterstützung von Familien, die unter der Armutsgrenze existieren müssen. Im Vordergrund steht das Wohl der Kinder. Wir helfen aber auch Familien, deren Einkommen knappp über der Mindest­sicherung, aber trotzdem unter der Armutsgrenze liegt. Diese Menschen erhalten nämlich keine Unterstützung wie Wohnbeihilfe und Heizkostenzuschuss. Besonders betroffen sind Pensionistinnen, die nicht berufstätig waren und nicht genug Versicherungsjahre für die „normale“ Rente beisammen haben. Diese Frauen, die mit der Mindestpension plus Ausgleichszulage auskommen müssen, unterstützen wir. Weiters bieten wir soziale und rechtliche Beratung an und organisieren Erholungsaktionen für einkommensschwache Familien.

Was hat die Volkshilfe Vorarlberg in diesem Jahr geleistet?

Senn: Unser größtes Hilfsprojekt war die Schulstart­aktion. Für viele Familien mit mehreren Kindern und kleinem Einkommen sind die Kosten für Schulmaterial sehr hoch, vor allem am Schulanfang. Im Rahmen der Schulstartaktion erhielten heuer 66 Kinder 50 Euro bar beziehungsweise Libro-Gutscheine. Dann schlossen wir im Mai unsere Schultaschenaktion ab. Kinder von Mindestsicherung-Empfängern wurden mit Ergobags – qualitativ hochwertige Schultaschen – ausgestattet. Weiters leisteten wir viele Einzelunterstützungen. Benötigte jemand beispielsweise Kleidung, gaben wir ihnen Gutscheine von Integra, Carla und Würmle. Bei Lebensmittelbedarf arbeiten wir mit „Tischlein deck dich“ zusammen. Zum Umweltschutz tragen wir bei, indem wir Stofftaschen genäht und auf Märkten verkauft haben. Unsere Kinder sollen nicht in Plastikmüll ersticken.

Wie sieht es mit Auslandsprojekten aus?

Senn: Wir in Vorarlberg haben keine eigenen, sondern beteiligen uns an den Projekten der Volkshilfe Österreich. Derzeit laufen Hilfsprojekte in Albanien, Moldau, Indien und Haiti.

Wie finanziert sich die Volkshilfe Vorarlberg?

Senn: Durch die Einnahmen der Haussammlung im September, durch Mitgliedsbeiträge und Spenden. Zudem tragen die Erlöse unserer Verkaufsaktionen, wie die kommenden Weihnachtsmärkte bei. Dort verkaufen wir Selbstgemachtes, wie Handarbeiten, Kräutersalz, Herzwein usw.

Engagiert sich die Volkshilfe auch in der derzeitigen Flüchtlingskrise?

Senn: Ja, mit kleinen Projekten. Angefangen haben wir damit, Flüchtlingskindern, die Nachhilfeunterricht geben, einen Raum zur Verfügung zu stellen. Nun halten wir gemeinsam mit „Vindex – Schutz und Asyl“ einen Nähkurs für Flüchtlingsfrauen ab und planen Malkurse.

Wie steht die Volkshilfe zur Roma-Thematik im Land?

Senn: Wir haben das Grundkonzept „Schlafplatz“ – ein Projekt für obdachlose EU-Bürger mit Kindern – erstellt. Im Wesentlichen beinhaltet es ein niederschwelliges Unterkunftsangebot für Frauen mit Kinder zum Überwintern. Finanzieren müsste es allerdings die öffentliche Hand. Wir als kleine private Organisation sind dazu nicht in der Lage.

Zur Person

Annegret Senn

Geboren: 19. Juni 1949, Hirschegg

Wohnort: Bregenz

Beruf: Pensionistin

Familie: verheiratet, 3 Töchter,
4 Enkelinnen