Roma lehnen Hilfe vor Ort ab

Vorarlberg / 30.10.2015 • 21:48 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Dieses Roma-Lager in Nenzing-Beschling wurde inzwischen geräumt. Hier darf niemand mehr wohnen. Foto: HRJ
Dieses Roma-Lager in Nenzing-Beschling wurde inzwischen geräumt. Hier darf niemand mehr wohnen. Foto: HRJ

Helfer kapitulieren nach stundenlangen Gesprächen und
Zurückweisung der Hilfsangebote.

BLUDENZ, NENZING. (VN-hrj) Die Turnhalle einer Mittelschule in Bludenz, in der in den letzten beiden Wochen anfangs 54, zuletzt 35 Roma untergebracht waren, wurde am Freitagmittag geräumt.

Nachdem Bürgermeister Mandi Katzenmayer (60, ÖVP), Elmar Stüttler (63, „Tischlein deck dich“) und Joe Fritsche (51, „Stunde des Herzens“) keine dauerhafte Unterkunft gefunden haben, müssen die Roma nun defiitiv das Land verlassen. Land und Gemeinden haben den Familien ein Ticket für die Zug- oder Busfahrt nach Rumänien, Reiseproviant sowie umfangreiche Hilfe in Rumänien angeboten. Doch nur eine Familie habe bislang angenommen und sei heimgereist. Die anderen Roma lehnen die Hilfe vor Ort ab. Sie wollen hierbleiben.

Schockiert über Reaktion

Auch Elmar Stüttler und Joe Fritsche haben den Roma Hilfe in ihrem Herkunftsland zugesagt. Dazu seien stundenlange Gespräche mit den Roma geführt worden, sagt Stüttler. „Ich habe ihnen angeboten, dass wir in Rumänien ein großes Grundstück mit einem Haus erwerben würden, wo sie künftig leben können. Zudem bringen wir ihnen einmal monatlich eine Busladung Lebensmittel und Kleidung.“ Hilfe zur Selbsthilfe vor Ort, das mache Sinn.

Die Reaktion der Roma habe ihn schockiert: „Sie haben Nein gesagt, alles abgelehnt. Sie wollen nicht zurück nach Rumänien.“ Stüttler stellt klar, er helfe gerne. „Wenn aber angebotene Hilfe vehement abgelehnt wird, kann ich nichts mehr tun.“ Seine Geduld sei erschöpft. Er werde sich jetzt wieder auf die Hilfe für jene in Vorarlberg lebenden Menschen konzentrieren, die sie annehmen. „Ich möchte die Roma nicht verurteilen“, betont Stüttler, „ich verstehe sie bloß nicht.“

Dem schließt sich auch Joe Fritsche an: „Wir haben in den letzten Wochen alle unsere Kräfte investiert, in erster Linie, um die Babys und Kinder zu schützen. Dann sind so viele Roma dazu gekommen. Damit waren wir schließlich überfordert. Trotzdem haben wir weiter alles getan, um diesen Menschen zu helfen.“ Auch für ihn sei jetzt das Thema, die Roma hier im Land zu unterstützen, abgeschlossen.„Wir müssen uns jetzt wieder verstärkt den notleidenden Einheimischen zuwenden“, sagt Fritsche und bekräftigt: „Die Zusage, den Roma in ihrem Herkunftsland zu helfen, bleibt natürlich aufrecht.“

35 Personen im Waldlager

Von jenen Roma-Familien, die vor zwei Wochen vom ÖBB-Areal beim Dornbirner Bahnhof evakuiert wurden, seien die meisten mit dem Zug nach Dornbirn gefahren. Andere seien in Nenzing ausgestiegen, um ins Waldlager Beschling zurückzukehren. „Die Polizei hat sie wieder weggeschickt“, informiert Nenzings Vizebürgermeister Herbert Greussing (FPÖ), der sich am Freitagabend vor Ort befand.

In Beschling gibt es noch ein kleines Camp mit etwa 35 Personen. Mit diesen sei laut Greussing abgemacht, dass sie bis längstens Dienstag bleiben dürfen. Dann werde auch dieses Lager geräumt. Im Übrigen habe auch die Gemeinde Nenzing den Roma Hilfe in Rumänien zugesagt.