„Trittsteine“ für sicheren Rhein

Vorarlberg / 02.11.2015 • 19:43 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
So wie auf diesem Bild von den Mastrilser Auen in Graubünden könnten die Trittsteine aussehen. Rhesi
So wie auf diesem Bild von den Mastrilser Auen in Graubünden könnten die Trittsteine aussehen. Rhesi

600-Millionen-Euro-Hochwasserschutz­projekt soll bis Sommer 2016 fixiert sein.

Lustenau. 300.000 Menschen leben im Rheintal, aufgeteilt auf die Länder Liechtenstein, Schweiz und Österreich. Sollte der Rhein außer Kontrolle geraten, wird er vor Staatsgrenzen nicht Halt machen. „Das Schadenspotenzial bei einer Hochwasserkatastrophe liegt bei sechs bis sieben Milliarden Euro“, verdeutlicht LH Markus Wallner (48). Was Rechtfertigung genug sei mit großer Intensität darauf hinzuweisen, wie wichtig dieses Projekt ist.

Werkstattberichte

Genau das taten er und Regierungskollegen aus Vorarlberg und St. Gallen sowie zuständige Experten im Museum Rheinschauen in Lustenau. Aktueller Anlass: Die bevorstehende Präsentation eines Planungsstandes zum Großprojekt Rhesi (= Rhein, Erholung, Sicherheit). „Wir haben einen sehr intensiven Planungsbegleitprozess hinter uns, jetzt soll der Start ins generelle Projekt erfolgen“, erläutert Projektleiter Markus Mähr (41). Soll heißen: Am kommenden Donnerstag gibt es für die involvierten Kommunen und Interessengruppen den zweiten Werkstattbericht mit Rückmeldungsmöglichkeiten bis Februar kommenden Jahres. Nach dem dritten Werkstattbericht Ende April wird das generelle Projekt im Sommer 2016 fixiert.

Noch offene Fragen

Was feststeht: Fluss und Landschaft im unteren Rheintal werden nach dem sogenannten Trittsteinkonzept umgestaltet. Das heißt, es werden vier bis fünf ökologische Inseln entstehen, an denen der Rhein entsprechend aufgeweitet wird und mehr Raum erhält. Diese Trittsteine liegen circa vier Kilometer voneinander entfernt. Offen ist dabei noch, ob es bei der Frutzmündung, bei Diepoldsau und zwischen Hard und Fußach zu Dammabrückungen kommen wird. Noch nicht gelöst ist auch die Standortfrage für Trinkwasserbrunnen im Abschnitt zwischen Widnau und Höchst. All diese Fragen sollen im gemeinsamen Entwicklungsprozess noch einer Klärung zugeführt werden.

Die seit Planungsbeginn 2011 geführten 450 Einzel- und Kleingruppengespräche, zwölf Projektbeiratssitzungen, 120 digitalen Anfragebeantwortungen sowie 25 Informationsveranstaltungen mit rund 1800 Kontakten standen vor allem im Zeichen der Suche nach einem Interessenausgleich zwischen Ökologie, Trinkwasserversorgung und Landwirtschaft.

Variante zum Schluss

Die Landwirte auf beiden Seiten des Rheins müssen zwischen 240 und 250 Hektar Anbauflächen zugunsten des Hochwasserschutzprojekts mit seinen ökologischen Ansprüchen aufgeben. Wie Willi Haag (68), zuständiger Regierungsrat und Leiter des Baudepartements im Kanton St. Gallen, ausführte, ist Rhesi weit mehr als nur ein Hochwasserschutzprojekt: „Es ist auch ein gesellschaftliches und kulturelles Projekt mit einer gemeinsamen Herausforderung. Die lautet: Wie zähmen wir den größten Wildbach Europas?“

Dass im Zusammenhang mit Rhesi immer häufiger von „Partizipation“ die Rede ist, hat einen Grund: Bei der Erstellung der ersten zwei Projektvarianten fühlten sich Vertreter verschiedener Interessengruppen übergangen und forderten vehement eine Mitsprache bei der Projektentwicklung. Dem wurde Rechnung getragen. Von einer Variante wollen die Projektentwickler zum derzeitigen Zeitpunkt daher nicht reden. „Es gibt einen Planungsstand, nicht mehr. Eine Variante gibt es erst am Schluss“, hält Mähr fest.