Warum Streuner in ihrer Heimat bleiben sollten

02.11.2015 • 19:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Viele Urlauber können einem solchen Blick nicht widerstehen und wollen die Tiere mit nach Hause nehmen. Zumeist ist das aber keine gute Idee.
Viele Urlauber können einem solchen Blick nicht widerstehen und wollen die Tiere mit nach Hause nehmen. Zumeist ist das aber keine gute Idee.

Hundebesitzer mit Tieren aus dem Ausland oft überfordert – viele Streuner landen im Tierschutzheim.

Dornbirn. (VN-kum) Urlaub im Süden: Nicht selten gehören Streuner, die humpeln, betteln oder abgemagert in der Sonne liegen, zum Straßenbild. Viele Urlauber haben Mitleid mit den Straßenhunden und wollen sie am liebsten retten und ihnen in Vorarlberg ein besseres Leben ermöglichen. Warum das aber keine gute Idee ist, weiß Judith Kupnik, die Leiterin des Vorarlberger Tierschutzheimes: „Das ist falsch verstandene Tierliebe“, warnt sie. „Denn nicht jedem Hund, der auf der Straße lebt und eine Mülltonne ausräumt, geht es schlecht.“

In ihren Herkunftsländern wie Italien, Rumänien oder Bulgarien würden diese Hunde ein freies Leben führen, betont Kupnik. „Es sind Tiere, die auf Freiheit geprägt sind und gelernt haben, eigenständig zu leben.“ Solche Hunde seien mit dem Leben in Vorarlberg überfordert: „Sie sind es nicht gewöhnt, an der Leine zu gehen und in einer Wohnung eingesperrt zu sein. Sie vermissen auch keine Couch.“ Den Menschen gegenüber seien sie unvertraut, weil sie anders sozialisiert worden seien. Und dann dürfe man „sich nicht wundern, wenn diese Hunde aus Angst und Überforderung die Wohnungseinrichtung zerstören oder ständig bellen“.

Vermittlung schwierig

Nicht selten würden solche Tiere im Tierheim landen. „Seit etwa zwei Jahren kommt es immer häufiger vor, dass Hunde aus dem Ausland abgegeben werden, weil deren Besitzer die Resozialisierung nicht auf die Reihe bekommen haben“, führt sie vor Augen. Kupnik weiß aus Erfahrung: „Die Vermittlung eines solchen Tiers ist schwierig, weil man viel Zeit und Arbeit investieren muss, bis man es dort hat, wo man es haben will.“

Den Tieren erweise man also keinen Dienst, wenn man sie nach Vorarlberg mitbringe. „Man tut ihnen damit nichts Gutes.“ Die Leiterin des Vorarlberger Tierschutzheimes weist darauf hin, „dass diese Vierbeiner auch oft Krankheiten mitbringen, die für die Hunde in Vorarlberg ein Risiko darstellen“. Einen Streuner im Ausland aus Mitleid aufzulesen und ins Ländle mitzubringen, sei aus einem weiteren Grund problematisch: Denn um einen Hund legal einführen zu können, braucht man gültige Papiere und gültige Impfungen. „Hat man die nicht, begibt man sich in die Illegalität und bekommt Probleme mit der Behörde in Vorarlberg. Im schlimmsten Fall schickt diese dann das Tier zurück“, so Kupnik.

Hilfe vor Ort sinnvoller

„Nehmen Sie nicht unüberlegt ein Tier mit nach Hause. Schon gar nicht, wenn Sie nicht wissen, ob Sie ihm einen Endplatz bieten können“, appelliert sie deshalb an die Vorarlberger. Viel besser sei es, sich an eine Tierschutzorganisation vor Ort zu wenden. Aber auch von Vorarlberg aus können Tierfreunde Hilfe leisten: So unterstützt etwa der Rankweiler Verein „Hope Love Animals“ in Rumänien und Belgrad Menschen, die Straßenhunde und misshandelte Hunde aufnehmen. „Wir helfen, indem wir Futter zuschicken“, informiert Tanja Nachbaur, die Obfrau des Vereins.

Für Personen, die nichtsdestotrotz einen Hund von der Straße oder einer Tötungsstation aufnehmen wollen, kann Tierärztin Andrea Rupp aus Lochau mit einem guten Rat aufwarten: „Es gibt österreichische Vereine, die darauf spezialisiert sind, solche Hunde legal zu uns zu bringen. Nähere Informationen gibt es bei Tierärzten im Land oder dem Tierschutzombudsmann.“ Eine dieser Organisationen sei etwa der Verein „Galgo, Cat & Co.“ – er vermittelt unter anderem Hunde aus Spanien. Doch Kupnik will auch Werbung in eigener Sache machen: „In unserem Land gibt es genug Hunde, die ein neues Zuhause suchen. Bei uns im Tierheim warten derzeit 25 Vierbeiner auf einen guten Platz.“

Sie sind es nicht gewöhnt, an der Leine zu gehen und in der Wohnung eingesperrt zu sein.

Judith Kupnik