Ausstieg aus dem Besuchscafé

03.11.2015 • 19:32 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Kinder sind bei Scheidungen oft Leidtragende. Besuchscafés helfen, Kontakt zu beiden Elternteilen zu halten. 
Kinder sind bei Scheidungen oft Leidtragende. Besuchscafés helfen, Kontakt zu beiden Elternteilen zu halten. 

Das IfS gibt mit Jahresende seinen Teil des Angebots an das Kinderdorf Vorarlberg ab.

Bregenz. (VN-mm) Zehn Jahre lang haben IfS und Vorarlberger Kinderdorf gemeinsam die Besuchsbegleitung für Kinder aus gescheiterten Beziehungen organisiert. Nun steigt das IfS mit Ende 2015 aus. „Land, Kinderdorf und ifs haben sich darauf geeinigt, diesen Bereich zusammenzulegen“, bestätigt Maria Feurstein von der IfS-Familienarbeit in Feldkirch. „Es handelt sich um ein kleines Angebot, da macht eine Zusammenführung auch wirtschaftlich Sinn“, ergänzt Alice Hagen-Canaval, die den ambulanten Familiendienst des Kinderdorfs leitet.

Kostenfreiheit wichtig

Derzeit werden für den Standort Bregenz neue Räumlichkeiten und entsprechend qualifiziertes Personal gesucht. Ein weiterer Standort wird in Feldkirch betrieben. Jener in Bludenz wurde schon vor Längerem geschlossen, weil die Anmeldezahlen zu gering waren. Im Durchschnitt werden in den Besuchscafés bis zu zwölf Familien betreut. Die Finanzierung erfolgt durch Bund, Land und aus Spendenmitteln. „Das Angebot muss weiterhin kostenfrei bleiben, weil die Bezahlung der Stunden nur zu einem weiteren Streitpunkt zwischen den Eltern werden könnte“, betont Alice Hagen-Canaval.

Eine beaufsichtigte Besuchsbegleitung ordnen Familiengerichte an, wenn sich Eltern über Obsorge oder Besuchsrecht nicht einigen können. Ziel dieser Maßnahme ist die Aufrechterhaltung des Kontakts zwischen dem minderjährigen Kind und dem getrennt lebenden Elternteil. Der Bedarf an Besuchsbegleitung ist laut Hagen-Canaval eher steigend. Im heurigen Jahr gab es bislang 57 Anfragen dazu. Genauere Prognosen sind kaum möglich, weil die Kinderanzahl pro Familie stark variieren kann. Außerdem hängt die Anzahl der Stunden von den Vorgaben des Gerichts ab. Im vergangenen Jahr etwa wurden 39 Kinder 795 Stunden begleitet, im Jahr davor waren es 65 Kinder und 744 Stunden.

Teilfinanzierung

Knapp die Hälfte der Begleitungsstunden können mit dem Bund abgerechnet werden. Die restlichen Zeiten hat teilweise das Land übernommen. „Wie viel genau, lässt sich nicht sagen, da sie im Kontingent der ambulanten Arbeit bezahlt wurden“, erklärt Alice Hagen-Canaval. Bezüglich einer generellen Mitfinanzierung laufen Verhandlungen. Das Land zeige sich gesprächsbereit, denn es brauche dieses Angebot. „Wir machen es gerne, und in der Regel freuen sich die Kinder, wenn sie Vater oder Mutter sehen dürfen“, erzählt Hagen-Canaval. Wartezeiten soll es deshalb auch in der neuen Organisationsform nicht geben.

Bekenntnis gefordert

Als wichtige Einrichtung bezeichnet auch Hannes Hausbichler, Landesvorsitzender der Männerpartei und betroffener Vater, die Besuchsbegleitung. „In Vorarlberg wurde gut erkannt, dass Kinder den Kontakt zu ihren Eltern dringend brauchen“, sagt er. Trennungsväter würden die Leistungen der ehrenamtlichen Mitarbeiter in höchstem Maße loben. Nach dem Rückzug des IfS sieht er das Angebot jedoch gefährdet. Hausbichler spricht von einer bislang zögerlichen Förderung der Besuchsbegleitung durch das Land. „Jetzt ist ein klares Bekenntnis nötig, um den Elternkontakt für jedes Kind bestmöglich sicherzustellen“, lautet seine Forderung. Es brauche zudem den bedarfsorientierten Ausbau der Besuchsbegleitung.