Düstere Zukunft für den Dornbirner Schlachthof

Vorarlberg / 03.11.2015 • 18:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Weiterführung des Dornbirner Schlachthofs steht derzeit offenbar noch in den Sternen. Foto: Stiplovsek
Die Weiterführung des Dornbirner Schlachthofs steht derzeit offenbar noch in den Sternen. Foto: Stiplovsek

Geringes Interesse an Betreibergesellschaft. Vorarlbergs Viehhandel würde bei Schließung einspringen.

Dornbirn. (ha) Sollte nicht in letzter Minute eine Lösung in Form einer Betreibergesellschaft gefunden werden, sind die Tage des Dornbirner Schlachthofs gezählt. Die Chancen für eine Weiterführung stehen aber schlecht, denn das Interesse von Großabnehmern an einer engeren Zusammenarbeit ist äußerst bescheiden.

Frist abgelaufen

Die Stadt Dornbirn gab möglichen Abnehmern, darunter großen Handelsbetrieben, zwei Wochen Zeit, sich zu entscheiden, ob sie sich an einer Betreibergesellschaft beteiligen wollen oder nicht. Gestern ist die Frist abgelaufen. Das Ergebnis ist ernüchternd: Nur zwei Betriebe aus dem Lebensmittelhandel meldeten sich bei der Stadt, allerdings ohne konkrete Zusagen zu machen.

Bürgermeisterin Andrea Kaufmann (46) ist nicht überrascht. Sie erinnert an unzählige Verhandlungsrunden, die wenig bis gar nichts gebracht haben. „Trotzdem werden wir in den nächsten Wochen noch weitere Gespräche führen.“ Große Hoffnungen auf das Zustandekommen einer Betreibergesellschaft hat sie nicht: „Wenn es keine Chance auf eine Weiterführung des Schlachthofs gibt, bereiten wir das Ausstiegsszenario vor.“

Aus Rücksicht auf
die Schlachthausangestellten und Landwirte, die seit Jahren ihre Tiere zum Schlachten nach Dornbirn bringen, ist Kaufmann gegen eine Hau-ruckaktion und wird, sollte das Aus beschlossen werden, erst nach einem Jahr den Schlüssel endgültig umdrehen: „Das gehört sich schon aus Gründen der Fairness gegenüber allen Betroffenen.“ Großes Interesse an der Weiterführung des Betriebs in der Schlachthausstraße hat die Stadtchefin ohnedies nicht: „Weitere Investitionen wird die Stadt sicher nicht mehr tätigen.“ Immerhin müssten einige Hunderttausend Euro für notwendige Sanierungen lockergemacht werden. Ganz zu schweigen vom jährlichen Defizit von 200.000 Euro, das zum größten Teil die Stadt ausgleichen muss.

Auch mit dem derzeitigen Standort in dicht besiedeltem Gebiet ist Kaufmann nicht glücklich. Sollte man im Land weiterhin einen großen Schlachthof wollen, der den EU-Vorschriften entspricht, müsse man sich nach einem geeigneten Grundstück für einen Neubau, am besten im Raum Unterland, umsehen. Dornbirn würde sicher kein Veto einlegen, wenn in Zukunft andernorts geschlachtet wird.

Einen Alternativvorschlag haben die Dornbirner Grünen. Stadträtin Juliane Alton (49) schlägt den Einsatz eines mobilen Schlachthofs in Form eines Kühl-Lkw mit eingebautem Schlachtstand vor: „Dieser würde zumindest die Notschlachthalle im defizitären Dornbirner Schlachthof ersetzen.“ In einer Stunde könnten vier Rinder geschlachtet werden.

„Problemlose Übernahme“

Vorarlberger Viehhändler verfolgen die Debatte über die Zukunft des Schlachthofs mit Interesse und wären bereit einzuspringen, wenn der Betrieb eingestellt wird, sagt der Lauteracher Händler Werner Pfanner: „Der Viehhandel könnte alle Schlachtrinder problemlos abnehmen, und das ohne zusätzliche Kosten für die Landwirte und zu fairen Preisen.“ Geschlachtet würden die Tiere dann allerdings außerhalb des Landes, etwa im vier Fahrstunden entfernten Salzburg. Tatsache ist, dass viele Vorarlberger Viehhändler vor allem aus finanziellen Gründen schon seit Jahren einen Bogen um Dornbirn machen. Landwirtschaftskammerpräsident Josef Moosbrugger (49) gibt zu, dass man in Dornbirn mit den Schlachtkosten, die andernorts anfallen, nicht mithalten könne.