Mit dem „Burkini“ statt einem Bikini

Vorarlberg / 04.11.2015 • 21:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Fatma Keskin, mit Moderator Thomas Matt, eröffnete die dreiteiligen ökumenischen Gespräche.
Fatma Keskin, mit Moderator Thomas Matt, eröffnete die dreiteiligen ökumenischen Gespräche.

Wie lebt eine Muslima in Vorarlberg? Fatma Keskin gab Auskunft.

Bregenz. ™ Fatma ist nervös. Sie hat ein festliches Kopftuch umgebunden und trägt einen langen, noblen Mantel. Jetzt soll sie Auskunft geben. Über sich. Fatma Keskin, 37 Jahre alt, verheiratet, Mutter dreier Kinder. Muslima in Vorarlberg.

Deshalb hat sich der evangelische Gemeindesaal in Bregenz bis auf den letzten Platz gefüllt. Die Veranstaltungsreihe Ökumenische Gespräche geht in ihr zehntes Jahr – und hat sich „die Herausforderung“ Islam zum Thema gemacht. Erst steht das alltägliche Leben im Mittelpunkt. Deshalb ist Fatma heute hier.

Die gebürtige Bludenzerin hat viele Jahre in der Nenzinger Gemeindevertretung mitgearbeitet. Mit der Gründung des Frauenvereins „Mimosa“ hat sie sich einen Lebens­traum erfüllt. Da geht es um Bildung. Das ist ihr wichtig. Fatma Keskin stammt aus der Hizmet-Bewegung Fethullah Gülens. Der islamische Prediger, der heute in den USA lebt, gilt der Türkei Erdogans als Terrorist. Gülen verbindet einen traditionellen anatolischen Volksislam mit hohen Bildungszielen.

Bruchlinien

Fatma erntet durch ihre unaufdringliche, authentische Art viel Zuneigung. Aber rasch werden an ihrem Beispiel auch Bruchlinien sichtbar. Natürlich kennt sie das Problem der kleinen Prinzen, die den Lehrerinnen das Leben zur Hölle machen. „Bei mir käme das nicht infrage. Mine müssen folga.“ Fatma hat ihren Mann geheiratet, auch weil er ihr von den Eltern empfohlen wurde. Sie weiß, dass sich zahlreiche türkische Jugendliche erst hierzulande austoben, ehe sie dann in Anatolien eine Ehefrau suchen.

Sie lebt ihren Islam, „weil wir doch später vor Allah zur Prüfung stehen“. So begegnet sie allen Menschen mit Achtung. Jeder sei für sein Leben selbst verantwortlich. Das heißt, ein Moslem darf seine Religion auch wechseln? „Nein, das ist nicht erlaubt.“ Was wäre die Konsequenz? Da zögert sie. Todesstrafe? Auch Fethullah Gülen fordert das. Die Frage bereitet ihr Unbehagen. Nein, sagt sie, keine Todesstrafe. „Das muss sich jeder Mensch selber mit Gott ausmachen.“ Jetzt spricht sie für sich. Keskin vertritt eine Minderheit hier. In den ATIB-Moscheen ist die Gülen-Anhängerin nicht gern gesehen.

„Das sind keine Moslems“

Ihr Leben ist ein Drahtseilakt. Sie beteuert, dass es sehr wohl innerislamische Spendenaktionen für die Flüchtlinge aus Syrien gibt. Aber das sieht hier keiner. Sie empfindet den Terror der IS als unglaubliche Beleidigung für den Islam – „das sind keine Moslems“. Aber dagegen demonstrieren würde sie nicht.

Im Sommer trägt sie beim Baden „Burkini“ statt Bikini, ihr Kopftuch hat sie sich erkämpfen müssen. So wie sie um die ordentliche Entwicklung ihrer Kinder kämpft. Auch religiös. Das würde sie sich von einem islamischen Religionsunterricht erhoffen, „dass meine Kinder auskunftsfähig werden“ und Bescheid wissen im Islam, der in Fatmas Augen gewaltsame Züge nicht tragen darf.

Nächster Termin: Dienstag, 10. November, ab 19.30 Uhr. Univ.-Prof. Zekirija Sejdini zu Gast. Thema: „Gewalt und Religion“ – Eine islamische Perspektive.