„Eines der unfassbarsten Delikte der vergangenen Jahre“

Vorarlberg / 05.11.2015 • 22:45 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Chefermittler Norbert Schwendinger (l.) und LKA-Leiter Hardy Tschofen: „Gehen von Mord aus.“ Foto: Sohm
Chefermittler Norbert Schwendinger (l.) und LKA-Leiter Hardy Tschofen: „Gehen von Mord aus.“ Foto: Sohm

Hochschwangere Frastanzerin wurde von Kindesvater erwürgt und angezündet.

Frastanz, Bregenz. Am vergangenen Mittwoch, um 15.50 Uhr verhaftet die Liechtensteiner Polizei im Fürstentum einen 26-jährigen Mann aus der Dominikanischen Republik. Die Beamten wissen Bescheid, dass der Dominikaner seit Stunden von ihren Vorarlberger Kollegen gesucht wird. Denn es lastet der dringende Verdacht auf ihm, dass er seine ehemalige Lebensgefährtin, eine 28-jährige Frastanzerin, am Morgen desselben Tages ermordet hat.

Im Schlaf überrascht

Die Vorarlberger Fahnder rekonstruieren nach ihrem bisherigen Erkenntnisstand Folgendes: In der Nacht auf Mittwoch fuhr der Tatverdächtige nach Frastanz zum Haus seiner Ex-Freundin. Doch dort, beim Mehrparteienhaus am Lindenplatz 2, waren die Türen verschlossen. Wie die Spurensicherung ergab, brach der 26-Jährige die Türen gewaltsam auf. Er drang ins Schlafzimmer vor, wo die 26-jährige, im achten Monat schwangere Frau im Bett lag. Er stürzte auf sie zu, erwürgte sie mit bloßen Händen und zündete sie anschließend mit Hilfe eines Brandbeschleunigers an. Danach flüchtete er. Die spätere Obduktion des Leichnams ergab, dass das Opfer und auch das ungeborene Kind zum Zeitpunkt der Brandlegung bereits tot waren. All dies geschah gegen 5 Uhr morgens. Ein Anrainer bemerkte Brandgeruch und alarmierte die Feuerwehr (die VN berichteten). Der Verdacht auf ein Verbrechen sei laut den Fahndern bereits dem ersteinschreitenden Polizeibeamten gekommen, allein angesichts der aufgebrochenen Türen.

Der Leiter des Landeskriminalamts, Hardy Tschofen, sprach bei der gestrigen Pressekonferenz von „einem der unfassbarsten Delikte in Vorarlberg in den vergangenen Jahren“.

Problem Alimente

Dies allein schon deshalb, weil das Mordopfer hochschwanger war. Doch was war das Motiv des Dominikaners? Nach den bisherigen Erhebungen gehen die Ermittler davon aus, dass Konflikte wegen zukünftiger Alimente ausschlaggebend gewesen sein könnten. „Auch wenn wir darüber derzeit nur spekulieren können“, bemerkte Chefermittler Norbert Schwendinger. „Doch es ist bekannt, dass es zwischen den beiden heftige verbale Auseinandersetzungen gegeben hat“, ergänzt er. Allerdings sei es dabei nie zu Drohungen oder kritischen Situationen gekommen. Der Tatverdächtige, der die Frastanzerin Anfang des Jahres kennengelernt hatte, ist der Vater des ungeborenen Kindes. Seit neun Jahren wohnt der 26-jährige Dominikaner in Liechtenstein. Er ist arbeitslos. Der Mann wurde noch am Tag der Gewalttat
in Liechtenstein von Vorarlberger Ermittlern einer
ersten Einvernahme unterzogen.

Aussage verweigert

„Doch er machte von seinem Recht Gebrauch, die Aussage zu verweigern“, sagten Tschofen und Schwendinger. Die Sachbeweise und Indizien sind allerdings erdrückend. „Wir gehen von einem Mord aus“, stellte Schwendinger klar. Doch noch seien weitere Informationen nötig. Viel Arbeit stehe noch bevor. Auch hinsichtlich der Abklärungen zur Person des Tatverdächtigen. Der Mann wird demnächst nach Vorarlberg ausgeliefert, auch wenn er der Auslieferung zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht zustimme, informierte Schwendinger.

VN-Bericht vom 5. November 2015.
VN-Bericht vom 5. November 2015.