Großrazzia auf Baustelle in Montafoner Idylle

Vorarlberg / 05.11.2015 • 20:14 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Am Donnerstagvormittag wurden die Arbeiter des Ferienparks von rund 20 Beamten der Finanzpolizei überrascht. Foto: VN/HP
Am Donnerstagvormittag wurden die Arbeiter des Ferienparks von rund 20 Beamten der Finanzpolizei überrascht. Foto: VN/HP

Rund 20 Beamte der Finanzpolizei nahmen Feriendorf in St. Gallenkirch ins Visier.

St. Gallenkirch. Donnerstagvormittag, kurz vor Mittag: 30 bis 50 Bauarbeiter sind, wie auch in den vergangenen Monaten, auf dem 20.000 Quadratmeter großen Areal im Ortsteil Galgenul mit den Innenarbeiten für die Chalets des neuen, in der Bevölkerung umstrittenen Ferienparks beschäftigt. Noch vor Weihnachten soll ein Großteil der insgesamt 32 Häuser an ihre Besitzer übergeben werden.

Und plötzlich: Paukenschlag in der Montafoner Feriendorfidylle. Etwa 20 Beamte der Finanzpolizei fahren mit mehreren Einsatzwagen auf, umzingeln das Areal. Es seien Szenen gewesen wie in einem Kinofilm, beschreibt eine Anrainerin: „Mehrere Beamte stürmen aus den Wagen, einige der Arbeiter flüchten in den benachbarten Wald.“ Ob diese Arbeiter aufgegriffen werden konnten, das kann die Frau, die anonym bleiben will, nicht sagen. Aber: „Anschließend wurden von einigen Personen Dokumente kontrolliert.“

„Mögliche illegale Personen“

Thomas Wörgötter, Leiter der Finanzpolizei in Tirol und Vorarlberg, bestätigt den Einsatz auf VN-Anfrage. Grund dafür seien „mögliche illegale und nicht angemeldete Personen“ gewesen. Aus Steuergeheimnisgründen dürfe er jedoch keine näheren Auskünfte geben, weder zum möglichen Strafausmaß noch darüber, ob alle Arbeiter gültige Dokumente vorlegen konnten. „Die Ermittlungen laufen noch“, heißt es nur.

Jakob Miklau, Geschäftsführer der ausführenden „RM Bauträger GmbH“ mit Sitz in Klagenfurt: „Ich gehe davon aus, dass das eine normale Überprüfung der Finanzpolizei war. Wir haben uns jedenfalls nichts zuschulden kommen lassen und damit auch nichts zu verbergen“, betont er. Das Unternehmen habe seit dem Sommer zwölf eigene Leute in St. Gallenkirch stationiert, „bei diesen Personen handelt es sich um aus Kärnten stammendes Personal. Die Papiere von zwei Leasing-Arbeitern müssten in Ordnung sein.“ Miklau verweist auf das steirische Subunternehmen, die in Graz situierte „PMF Projekt-Massiv-Fertigteilbau GmbH“.

Auch der dortige Geschäftsführer Herbert Ditz ist für die VN erreichbar. „Wir selbst sind mit zwei Österreichern auf der Baustelle vertreten“, sagt er. „Die meisten Firmen, die wir direkt beschäftigt haben, sind aus der näheren Region“, führt er aus. Zudem seien zwei weitere Subunternehmen, eines aus Lettland mit 24 Personen sowie eines aus Wien mit zehn Mann, vor Ort. „Alles müsste passen. Ich kann aber natürlich nicht ausschließen, dass möglicherweise ein Arbeiter noch nicht alle für die Arbeitserlaubnis notwendigen Dokumente eingereicht hat.“ Jedes Subunternehmen müsse selbst für die entsprechenden Genehmigungen sorgen. „So viel ich mitbekommen habe, hat sich kein Verdacht erhärtet.“ Dass Arbeiter in den Wald geflüchtet sind, davon habe er nichts mitbekommen.

„Außergewöhnlich“

Einen Einsatz in diesem Ausmaß hält Ditz für „außergewöhnlich“. Doch speziell diese Baustelle stünde sehr unter der Beobachtung der Nachbarschaft, „weil es offenbar bereits Projekte gegeben hat, wo es in der Vergangenheit zu Schwierigkeiten gekommen ist“, mutmaßt er.

Jakob Miklau sieht am Großeinsatz nichts Kurioses: „Hier in Kärnten oder auch in Wien gibt es bei Großbaustellen dieser Art für gewöhnlich bereits nach einem Monat eine solche Kontrolle, manchmal mit Hubschraubereinsatz. Mich hat es sogar gewundert, dass es bis jetzt keine Kontrolle gab.“

Es waren Szenen wie im Film. Arbeiter flüchteten in den Wald.

Anrainerin