Ermutigungen durch die römische Synode

Vorarlberg / 06.11.2015 • 19:13 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Es ist erfreulich, dass es Bischöfe wie Kardinal Schönborn und auch unseren Bischof Benno Elbs gibt: In einem Bericht über die zu Ende gegangene Bischofssynode in Rom ist nämlich zu lesen, dass „der Wiener Kardinal Christoph Schönborn das Keuschheitsgebot unter zivil wiederverheirateten Geschiedenen nicht für zwingend erforderlich hält“. Kardinal Schönborn bezweifelt, dass Geschiedene dauernd in schwerer Sünde leben. Der Ehebruch müsse zwar so benannt werden, doch im Laufe der Zeit könnten sich „objektive Notwendigkeiten“ ergeben, die die zweite Ehe nicht mehr automatisch sündhaft machen. Dies sei zum Beispiel die Sorge für gemeinsame Kinder oder der Fall, dass eine alleinerziehende Mutter zum Wohl ihrer Familie eine zweite Ehe eingeht. Allerdings müssten auch das Leid der ehemaligen Ehepartnerinnen und das Problem gesehen werden.

Nicht nur das kirchliche Gesetz

Es ist auch zu begrüßen, dass das „gebildete Gewissen jedes Menschen“ die oberste Norm für sein Handeln sei. Es waren also unter den Teilnehmern der zu Ende gegangenen Synode auch Bischöfe, die nicht nur das kirchliche Gesetz sehen, sondern den Menschen. Auch wenn dies noch „vorsichtig“ formuliert ist. Seit Jahren sind ja auch viele Priester, auch in Vorarlberg, der Meinung, dass geschiedene Wiederverheiratete an der Kommunion teilnehmen können. Viele Seelsorger(innen) sind überzeugt, dass Jesus auch so denken und handeln würde.

„Die Zeiten ändern sich“

Bei einem Gottesdienst am Ende der römischen Synode sagte Papst Franziskus: „Die Zeiten ändern sich. Und ein Christ ändert sich mit ihnen, doch immer mit Blick auf das Evangelium. Denn die Wahrheit bleibt, die Welt ändert sich.“ Die Papstpredigt drehte sich um das Stichwort „Zeichen der Zeit“: „Was sich ein Christ nicht leisten sollte: ein ruhiges, angepasstes Leben, in dem alles still steht.“

Die Zeit der Barmherzigkeit

Papst Franziskus kam auf eine Geschichte der Bibel vom blinden Bartimäus in Jericho zu sprechen: Jesus heilte Bartimäus. Er machte ihm deutlich: „Steh auf!“ Die Jünger Jesu taten dies dann immer wieder: Sie wiederholten die ermutigenden und befreienden Worte Jesu. Und hier die Worte von Papst Franziskus: „Dazu sind die Jünger Jesu auch heute berufen, sogar besonders heute: Den Menschen mit der mitfühlenden, rettenden Barmherzigkeit in Kontakt zu bringen. Wenn der Schrei der Menschheit – wie im Fall von Bartimäus – noch lauter wird, gibt es keine andere Antwort, als uns die Worte Jesu zu eigen zu machen und vor allem sein Herz nachzuahmen. Die Situationen von Elend und Konflikt sind für Gott Gelegenheiten zur Barmherzigkeit. Heute ist die Zeit der Barmherzigkeit.“

Der Weg, Christus zu begegnen

Ich möchte hier den wundervollen Satz anführen, den Papst Franziskus in diesem Zusammenhang sagte: „Jesus will einschließen (= aufnehmen), vor allem die, welche ausgegrenzt sind und zu ihm schreien. Diese haben Glauben wie Bartimäus. Denn zu wissen, dass man der Rettung bedarf, ist der beste Weg, um Christus zu begegnen.“

Dr. Herbert Spieler,
em. Pfarrer, Frastanz