Hoffen auf Paris

Vorarlberg / 06.11.2015 • 19:23 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Grüne setzen hohe Erwartungen in Klimakonferenz. Gross sieht Energieautonomie im Land gefährdet.

Bregenz. (VN-mip) Berlin, Montreal, Kopenhagen, Cancún, Lima. Was sich wie ein Reisekatalog der beliebstesten Städtetrips liest, sind einige Veranstaltungsorte vergangener UN-Klimakonferenzen. Ab 30. November kommt Paris dazu, wenn sich die Staatengemeinschaft wieder trifft, um die Klimaerwärmung in den Griff zu bekommen. Bisher folgte auf jeden euphorischen Konferenz-Start die bittere Enttäuschung. Christiane Brunner (39), Nationalratsabgeordnete der Grünen und alljährliche Klimakonferenz-Teilnehmerin, glaubt, dass es dieses Jahr anders wird: „Weil die Herangehensweise neu ist.“

Erstmals habe die UNO aufgerufen, Klimaziele vor der Konferenz bekannt zu geben. Bisher wurde erst beim Klimagipfel verhandelt. Die meisten Staaten haben laut Brunner ihre Ziele bereits an die UNO geleitet. „Den Klimawandel können wir nicht mehr stoppen. Aber wenn wir sofort handeln, können wir das Zwei-Grad-Ziel erreichen“, ist sich Brunner sicher. Mit den aktuellen Vorschlägen der Staatengemeinschaft wäre die Erwärmung bereits auf 2,7 Grad beschränkt. Brunner freut sich: „Das ist schon einmal ein Anfang.“ Jetzt gelte es, weiter zu verhandeln. Geht es nach den Grünen, soll Österreich dabei eine Vorbildrolle einnehmen.

Land nicht im Fahrplan

Bisher sehe es aber ganz anders aus. Österreich würde als eines von vier EU-Ländern die gesteckten Ziele bis 2020 nicht erreichen – obwohl jenes Ziel vergleichsweise niedrig gesetzt sei. Eigentlich könne Österreich anderen Ländern zeigen, wie trotz Klimaschutz der Wohlstand erhalten bleibe. „Davor haben viele Angst, aber das geht. Es muss nur jemand vormachen“, sagt Brunner.

Auch Vorarlberg fühlt sich gerne als Vorbild. Stichwort: Energieautonomie 2050. Adi Gross (53), Klubobmann der Grünen im Landtag, ist sich bewusst: „Wir haben uns sehr ambitionierte Ziele gesteckt.“ Die Regierung habe sich schon für 2020 einiges vorgenommen. „Bei einigen unbestrittenen Erfolgen sieht es mit der Einhaltung des 2020-Gesamtzieles schlecht aus.“ Die wären: Im Vergleich zu 2005 den Energieverbrauch um 15 Prozent und CO2-Emissionen um 18 Prozent zu reduzieren. Das gehe sich nicht aus. „Wir müssen dringend gegensteuern“, sonst würde es schwer mit der angepeilten Autonomie.

Schon im Land schwer, wäre eine Einigung weltweit eine Sensation. Brunner ist gespannt: „Ich glaube, dieses Jahr könnte etwas Konkretes herausschauen.“ Und sonst wäre 2016 in Marrakesch die nächste Möglichkeit.

Österreich könnte dabei eine Vorbildrolle einnehmen.

Christiane Brunner