Mit Medizinern gut versorgt

Vorarlberg / 06.11.2015 • 21:53 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Derzeit sind 170 Ärzte in Ausbildung. Damit soll ein Großteil der Pensionierungen abgedeckt werden können. Foto: vn/steurer
Derzeit sind 170 Ärzte in Ausbildung. Damit soll ein Großteil der Pensionierungen abgedeckt werden können. Foto: vn/steurer

Mangelfächer, Pensionierungen und der ländliche Raum bereiten noch Probleme.

Bregenz. (VN-mm) Die Frage, ob Vorarlberg tatsächlich so viele Ärzte braucht, wie es derzeit meint zu brauchen, konnte die aktuelle Studie der Gesundheit Österreich zwar nicht beantworten. Eines zeigte sie jedoch: Das Land ist gut mit Medizinern versorgt, einige Mangelfächer wie Augenheilkunde und Psychiatrie ausgenommen. Sowohl im stationären wie im niedergelassenen Bereich liegen die Zuwachsraten deutlich über dem Bundesschnitt. Was die schöne Statistik etwas trübt, ist die zu erwartende Pensio­nierungswelle. Denn laut Analyse verabschieden sich auch die Ärzte inzwischen eher früher als später in den Ruhestand. „Die Deckung des Bedarfs bleibt also eine Herausforderung“, fasste Gesundheitslandesrat Christian Bernhard die Erkenntnisse zusammen.

Gegen „Rosinenpolitik“

Zur Entlastung der Ärzteschaft möchte er andere Gesundheitsberufe stärken. Ein diesbezüglicher Appell, das Vorhaben mitzutragen, ging auch gleich an alle Systempartner. Der Obmann der Gebietskrankenkasse (GKK), Manfred Brunner, wiederum will der „Rosinenpolitik“ entgegentreten und die niedergelassenen Wahlärzte etwa beim Bereitschaftsdienst in der Pflicht sehen. Den müssen bislang nur die Vertragsärzte leisten. „Hier wären gesetzliche Maßnahmen anzudenken“, sagte er. Das sieht im Übrigen auch die Studie so, die gestern, Freitag, präsentiert wurde.

Aufgeräumt hat das Papier mit der gängigen Meinung, viele Spitalsärzte würden ins Ausland abwandern. Solche gibt es auch, doch noch mehr kamen zwischen 2011 und 2013 ins Land. Das Verhältnis betrug 43:106. Die meisten von ihnen übernahmen sofort Leitungsfunktionen. Aus den anderen Bundesländern kamen vor allem Assistenz- und Turnusärzte.

Mangel an Erfahrung

Das Nachsehen hat der niedergelassene Bereich. Lediglich 31 Spitalsärzte wechselten dorthin. Und dann zogen die meisten den Wahlarzt dem Vertragsarzt vor. Dort gab es insgesamt einen Zuwachs von 120 Prozent. Bei den Vertragsärzten fiel die Steigerung deutlich geringer aus, was sich besonders bei der Nachbesetzung von Allgemeinmedizinerstellen im ländlichen Raum auswirkt. Als kritische Faktoren für die Entscheidung gegen eine eigene Praxis nannte Brunner Qualitätsmängel in der Ausbildung und mangelnde Erfahrung in der Führung eines Unternehmens. Die Studie listete noch die verpflichtenden Bereitschaftsdienste und das „Einzelkämpfertum“
als belastend auf. Häufig würde auch die Kompetenz der niedergelassenen Ärzte von der Bevölkerung infrage gestellt.

Die Politik reagierte und brachte bereits Maßnahmen auf Schiene. Im Spitalsbereich sind das etwa die Gehaltsreform, neue Arbeitszeitmodelle, ein einheitliches Turnusärzteprofil sowie eine offensive Mitarbeiterrekrutierung. „Viele Aufgaben wurden schon gemacht, aber es werden weiterhin Anstrengungen nötig sein, um die medizinische Versorgung in der gebotenen Qualität zu gewährleisten“, meinte der Direktor der Krankenhausbetriebsgesellschaft (KHBG), Gerald Fleisch. Allein aufgrund der 48-Stunden-Woche und anstehender Pensionierungen brauchen die Landeskrankenhäuser zusätzlich mindestens 30 Ärzte. Im niedergelassenen Bereich wurden neue Zusammenarbeitsformen für Vertragsärzte geschaffen sowie Lehrpraxen etabliert. Land und GKK investieren 2016 fast eine Milliarde Euro in die Gesundheitsversorgung.

Bei Wahlärzten wären gesetzliche Maßnahmen anzudenken.

Manfred Brunner

Die Deckung des Bedarfs bleibt eine Herausforderung.

Christian Bernhard

Studienfakten

» Mit Stand Dezember 2013 waren in Vorarlberg gesamt (ohne Zahnmedizin) 1400 Ärzte berufstätig (plus 48 Prozent, Österreich: plus 35 Prozent).

» Davon sind rund 900 angestellt (plus 54 Prozent, Österreich: plus
37 Prozent) und 600 niedergelassen (plus 34 Prozent, Österreich: plus
29 Prozent.

» Die Zahl der Vertragsärzte stieg von 300 im Jahr 2000 auf 325 im Jahr 2013 (plus 8 Prozent).

» Starker Zuwachs im Wahlarztbereich von 140 auf 300 Ärzte.

» Der Frauenanteil beträgt 38 Prozent.

» 25 Prozent der berufstätigen Ärzte sind 55 Jahre und älter, macht rund 360 von 1400.