Rentnerin (69) schwindelte mit Pflegegeld

Vorarlberg / 06.11.2015 • 22:46 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Rechtsanwalt Martin Rützler: „Das war sicher an der unteren Grenze.“
Rechtsanwalt Martin Rützler: „Das war sicher an der unteren Grenze.“

Unterländerin machte Pflegeaufwand doppelt geltend und musste deshalb vor Gericht.

Christiane Eckert

Feldkirch. (ec) Sie selbst ist 69 Jahre alt und hat ihr Leben lang hart gearbeitet. Zudem kümmerte sie sich jahrzehntelang um eine gebrechliche, nahestehende Verwandte. Dafür wollte die Gepflegte die Angehörige auch entschädigen. Es wurde ein Vereinbarung getroffen, wonach die betagte Dame der Hilfsbereiten für die Vergangenheit und für die noch verbleibenden Jahre einen Pauschalvertrag zukommen ließ.

Lang gelebt

Ein Glücksspiel also, denn ob der Betrag großzügig ist, hängt davon ab, wie lange der Betreffende noch gepflegt werden muss. „Das war sicher an der unteren Grenze“, so Verteidiger Martin Rützler, der die Familie seit Langem kennt.

Die Verwandte erfreute sich jedenfalls eines langen Lebens und die heute 69-Jährige kümmerte sich in aufopfernder Weise um die Frau. „Vierzig Jahre pflegte meine Mandantin die körperlich zunehmend gebrechliche Dame“, erzählt der Verteidiger.

Die Gepflegte war geistig noch äußerst fit und es sammelte sich eine Unzahl von Verträgen an, die zum Schluss vermutlich nur ein Experte verstand. Schließlich verstarb die Frau. Eine Nichte, die erben sollte, nahm die Erbschaft nicht an. Streitigkeiten in der Verwandtschaft hielten sie offenbar davon ab.

Doppelt kassiert

Als die Angeklagte mit dem zuständigen Notar sprach, meinte dieser angeblich, er müsse sich nach Erben umsehen, ansonsten falle das Vermögen an den Staat. Da dachte sich die 69-Jährige, dass sie dann doch nochmal bezüglich einiger Ausgaben wie Grabpflege, Leichenschmaus und Ähnliches nachhaken könnte. Eigentlich waren diese Ausgaben bereits abgegolten. Doppeltes Kassieren ist Betrug. Schlussendlich wurden auf Grund einer Aufstellung nochmals 1400 Euro an die Beschuldigte überwiesen. Die hat mittlerweile den Betrag zurückgegeben und sich für alles entschuldigt. Vor Gericht weint sie und ist sichtlich mitgenommen. Der Richter regelt die Angelegenheit mittels Diversion, weil die bislang Unbescholtene geständig ist, ein Einsehen hat und bisher laut Richter einen tadellosen Lebenswandel führte. Mit 3000 Euro Buße ist die Sache somit erledigt.