Es hat sich ausgeklingelt bei den „einarmigen Banditen“

08.11.2015 • 21:36 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
VN-Bericht vopm 16. Mai 2015
VN-Bericht vopm 16. Mai 2015

Tankstellenpächter wegen Siegelbruchs zu 900 Euro Geldstrafe verurteilt.

Bregenz. Bei der Tankstelle im Vorarlberger Unterland wird nicht nur Sprit getankt. „Ich verkaufe jeden Monat um die 2000 Flaschen Bier“, resümiert der 41-jährige Pächter vor Richter Christian Röthlin.

Knapp sieben Monate nach einer ersten Verhandlung sitzt der Unterländer ein weiteres Mal auf der Anklagebank am Bregenzer Bezirksgericht. Doch nur, um den Vorwurf des Siegelbruchs wiederum vehement zu bestreiten. Nein, er habe die von der Finanzpolizei an den Glücksspielautomaten in der Hinterkammer angebrachten Siegel nicht zerstört. „Das waren die Besoffenen“, behauptet er einmal mehr.

Als die Finanzpolizei ein zweites Mal kontrollierte, waren die Automaten aus dem Raum verschwunden. Wie von unsichtbarer Hand. Doch weshalb sich die „einarmigen Banditen“ plötzlich in der Garage nebenan wiederfanden, ist dem Pächter noch heute ein Rätsel. „Ich nehme an, dass es die Eigentümer der Automaten waren“, behauptet er schulterzuckend. Ganz dubiose Leute seien das. Er wisse nicht mal, wo die sitzen. Da war von Rumänien, Ungarn oder St. Pölten die Rede. Seine erste Behauptung vor der Polizei, dass nur er einen Generalschlüssel besitze, weist er diesmal von sich. „Jeder Mitarbeiter hat einen solchen Schlüssel“, betont er heute. Doch wer von diesen Mitarbeitern am besagten Tag der mysteriösen Automatenumsiedelung Dienst hatte, entziehe sich mittlerweile seiner Erinnerung.

„Nur Schutzbehauptungen“

„Alles nur Schutzbehauptungen“, glaubt Richter Röthlin. Wer auch immer die tatsächlichen Besitzer der illegalen Glücksspielautomaten seien, „die werden sicher nicht für einen Tag von wer weiß woher anfahren, um die Automaten verschwinden zu lassen.“ Von der Schuld des 41-Jährigen überzeugt, verurteilt er ihn wegen Siegelbruchs zu einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu je 15 Euro.

„Das heißt, ich bin jetzt vorbestraft?“ quittiert der ansonsten unbescholtene Unterländer sichtlich entsetzt die richterliche Entscheidung. „Ja, Sie haben jetzt eine Vorstrafe“, bestätigt der Richter. Der Verurteilte meldet prompt Berufung und Nichtigkeitsbeschwerde an. So wird nun die nächste Instanz eine Entscheidung fällen.