Starkes Zeichen für Palliativkultur im Land

08.11.2015 • 19:10 Uhr / 4 Minuten Lesezeit

Der 13. Hospiz- und Palliativtag in Dornbirn brachte über 400 Teilnehmer zusammen.

Dornbirn. (VN-mm) Früher gab es Hospiztage nur für die ehrenamtlichen Begleiter und in kleinem Rahmen. „Wir haben dann gemerkt, dass es wichtig wäre, dieses Anliegen auf eine breitere Basis zu stellen“, erinnert sich Karl Bitschnau, Leiter der Hospizbewegung, an die Anfänge des Vorarlberger Hospiz- und Palliativtags. Und es gelang, alle Akteure für die Idee zu begeistern. „Genial“, nennt Bitschnau diese Tatsache, weil es eine Kunst sei, so viele unterschiedliche Interessen zusammenzubringen.

Neues Wissen

Inzwischen wurde der Hospiz- und Palliativtag zu einem fixen Termin im Jahresablauf der ehrenamtlichen und professionellen Begleiter von Todkranken und Sterbenden. Das Interesse ist ebenfalls unverändert groß. Die 13. Auflage sah wiederum über 400 Teilnehmer. Aus Überlingen ins Kulturhaus nach Dornbirn kam Irmgard Kuhn. Es war schon das zweite Mal. „Ein solches Angebot gibt es bei uns nicht“, erzählt die ehrenamtlich tätige Hospizbegleiterin. Den Vorträgen gibt sie beste Noten. „Sie sind sehr ansprechend, und ich konnte viel mitnehmen“, freut sich Kuhn.

Cornelia Mathis und Martha Sohm-Blajs fanden sich zum ersten Mal beim Hospiz- und Palliativtag ein. Für beide Frauen ist die ehrenamtliche Arbeit in der Hospizbewegung bereichernd, wie sie übereinstimmend sagen. „Menschlichkeit und Mitgefühl kommen im Alltag oft zu kurz“, haben sie festgestellt. Mit ihrem Engagement wollen sie diesen so wichtigen Attributen Ausdruck verleihen. Die Veranstaltung selbst sehen Mathis und Sohm-Blajs als Möglichkeit, Erfahrungen auszutauschen und neues Wissen über die Palliativmedizin und –pflege mitzunehmen.

Prozess der Entwicklung

Wobei sich das heurige Motto etwas sperrig ausnahm. „Zum Kotzen…!?“ stand es provokant über der Tagung. Doch die Aussage galt nicht allein dem Symptom, das viele todkranke Menschen plagt und ihre Lebensqualität massiv beeinträchtigen kann. „Wir wollten auch einen philosophischen Zugang schaffen“, erklärte Karl Bitschnau. Dabei geht es vor allem darum, einen Umgang mit unangenehmen Gefühlen zu finden. „Damit noch Menschen da sind, wenn es unangenehm wird“, ergänzte Bitschnau. Christian Kopf vom Bildungshaus Batschuns wollte das Motto als Metapher für die unterschiedlichsten Erfahrungen am Ende des Lebens sehen. Mit dem Hospiz- und Palliativtag selbst möchte die ARGE Weiterbildung ein Zeichen setzen, dass sich die Palliativkultur in einem ständigen Prozess der Entwicklung befindet. Gleichzeitig belege die Vielzahl an Teilnehmern, dass die Palliativkultur in Vorarlberg Wirklichkeit sei.

Auch Soziallandesrätin Katharina Wiesflecker bekräftigte ihr Anliegen, Menschen in der letzten Lebensphase durch die Zusammenarbeit von Pflege, Hospiz und Ärzten eine gute Pflegequalität zuteilwerden zu lassen. „Palliativlehrgänge, Hospiz-und Palliativtage, Seminare und Fachtagungen tragen wesentlich dazu bei, die Fachkompetenz zu erweitern und die palliative Kultur in allen Einrichtungen des Gesundheitswesens zu etablieren“, betonte sie.

Hospiz ab Ende 2017

Die Landesrätin verwies außerdem auf das umfassende ambulante und stationäre Angebot für Palliativpflege und Palliativmedizin. Ab Ende 2017 wird es bekanntlich neben der Palliativstation im Landeskrankenhaus Hohenems ein Caritas-Hospiz im ehemaligen Sanatorium Mehrerau geben.

Es war uns wichtig, das Anliegen breit aufzustellen.

Karl Bitschnau