Geschäft mit Babywünschen

Vorarlberg / 09.11.2015 • 20:53 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Die Möglichkeiten der künstlichen Befruchtung wurden in den vergangenen Jahrzehnten vielfach verfeinert. Foto: pempel
Die Möglichkeiten der künstlichen Befruchtung wurden in den vergangenen Jahrzehnten vielfach verfeinert. Foto: pempel

Deutsche Patientinnen nach Bregenz vermittelt. Prozess endete mit Geldstrafe.

München, Bregenz. (VN-mm) Das Geschäft mit dem unerfüllten Kinderwunsch blüht, dennoch wird scheinbar mit allen Mitteln um jede Patientin gekämpft. Nicht immer legal, wie sich zeigt. Weil er einem Bregenzer Reproduktionsmediziner Patientinnen vermittelte, wurde der ehemalige Leiter des Kinderwunschzentrums Deutschland (KID) kürzlich vom Amtsgericht München wegen Verstoßes gegen das deutsche Embryonenschutzgesetz zu einer Geldstrafe von 2800 Euro verdonnert.

Ärzte arbeiteten zu

Hintergrund: Um eine Selektion zu vermeiden, dürfen in Deutschland bei einer In-vitro-Behandlung lediglich drei Eizellen befruchtet werden. In Österreich ist das Gesetz deutlich liberaler.

Der Fall hatte in Deutschland hohe Wellen geschlagen, weil auch Gynäkologen dem Vorarlberger Reproduktionsmediziner zugearbeitet, also die Frauen auf die künstliche Befruchtung vorbereitet hatten. Die Verfahren gegen insgesamt 19 Ärzte wurden allerdings gegen Zahlung von Geldstrafen bis 7000 Euro eingestellt. Die betroffenen Patientinnen wurden ebenfalls nicht verfolgt. Der durch den Prozess wieder in die Schlagzeilen geratene Gynäkologe lehnte eine Stellungnahme ab. Es sei schon so viel Unsinn zu diesem Thema geschrieben worden. Er konzentriere sich auf die Medizin, sagte er auf VN-Anfrage.

Lukrative Sache

Der Leiter des zwischenzeitlich stillgelegten Kinderwunschzentrums musste indes vor den Kadi. Der Bregenzer Frauenarzt hatte das KID 2007 in Ottobrunn bei München gegründet. Sein Mitarbeiter organisierte dort unter anderem Informationsabende für Ärzte und Patientinnen zu den Möglichkeiten der Fortpflanzungsmedizin. Die Sache erwies sich für den 63-Jährigen als äußerst lukrativ. Für jede von ihm vermittelte Patientin erhielt er 1,4 Prozent des ärztlichen Honorars, machte von 2007 bis 2010 in Summe gut 380.000 Euro plus Spesen. Heute soll von dem Geld nichts mehr da sein, erklärte der Angeklagte dem Gericht.

Hohe Kosten

Bei der In-vitro-Fertilisation werden Frauen mit bis zu 18 befruchteten Eizellen pro Zyklus behandelt, um die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft zu erhöhen. Die Erfolgsrate wird heutzutage mit 30 bis 40 Prozent angegeben. In den meisten Fällen sind jedoch mehrere Versuche notwendig. Die gehen bei 3000 bis 5000 Euro, die ein Versuch kostet, ordentlich ins Geld.

Was die Kosten betrifft: Bei entsprechenden Voraussetzungen übernimmt ein Fonds 70 Prozent der finanziellen Aufwendungen für vier Behandlungszyklen pro angestrebter Schwangerschaft. Inzwischen sind rund zwei Prozent der in Österreich geborenen Kinder sogenannte Retortenbabys.