Die Not im Land abseits der Flüchtlingskrise

Vorarlberg / 10.11.2015 • 19:29 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Heuer fanden bereits 35 Frauen und 45 Kinder in der „Wohngemeinschaft Mutter & Kind“ ein vorübergehendes Zuhause. Foto: Caritas
Heuer fanden bereits 35 Frauen und 45 Kinder in der „Wohngemeinschaft Mutter & Kind“ ein vorübergehendes Zuhause. Foto: Caritas

Vor allem Alleinerzieher und Großfamilien betroffen, Mietpreise als großes Thema.

Feldkirch. (VN-sas) Trotz der zurzeit beherrschenden Flüchtlingskrise habe die Caritas Vorarlberg nicht auf in Vorarlberg lebende Menschen in Not vergessen, will Caritas-Direktor Walter Schmolly betont wissen. „Uns ist es wichtig, aufzuzeigen, dass wir auch den Menschen im Inland intensiv helfen.“

Ungefähr ein Fünftel der Kinder (bis 19 Jahre) in Vorarlberg sei armutsgefährdet. Besonders schwer hätten es Kinder, deren Eltern alleinerziehend sind. Mit knapp 3400 Personen seien Alleinerziehende die größte Gruppe im Land, die bedarfsorientierte Mindestsicherung bezieht. „Vor allem leistbares Wohnen ist hier ein großes Thema“, sagt Schmolly. So seien die Mietpreise im Land allein in den vergangenen zwei Jahren um fast 14 Prozent gestiegen. Dies treffe primär Ein-Eltern-Haushalte sowie Familien mit drei oder mehr Kindern. „Das ist eine ,soziale Wunde‘, mit der sich die Politik nicht abfinden darf“, kritisiert Schmolly.

Die Caritas versuche die Not im Rahmen verschiedener Angebote zu lindern, etwa mit der Beratungsstelle „Existenz & Wohnen“, die jährliche Zuwächse an Fällen von bis zu zehn Prozent verbucht. Allein heuer sind in den ersten drei Quartalen mehr als 2100 Fälle bearbeitet worden. 107 Mal sei es gelungen, leistbaren Wohnraum zu vermitteln. Zudem werde derzeit ein Projekt, bei dem es um die Aktivierung von leer stehenden Wohnungen geht (im Land gibt es bis zu 7000 davon), in Angriff genommen. Bei allen Caritas-Angeboten sei es ein großes Anliegen, den Menschen eine stabile Lebenssituation zu bieten und Möglichkeiten aufzuzeigen, wieder ins Leben zurückzufinden, betont Doris Müller, Stellenleiterin „Wohngemeinschaft Mutter & Kind“. Dort werden aktuell elf Mütter und elf Kinder auf ihrem Weg in ein selbstständiges Leben begleitet.

Zahlen und Fakten

» Über 11.000 Mal suchten KlientInnen im Vorjahr den Kontakt zur Beratungsstelle „Existenz & Wohnen“.

» Ein Fünftel aller Kinder in Vorarlberg ist armutsgefährdet.

» 161 SchülerInnen werden in fünf Lerncafés gefördert. 97 Prozent davon schafften im Vorjahr den Aufstieg in die nächste Klasse.