„Er saß so lange auf den Katzen, bis sie tot waren“

10.11.2015 • 20:49 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Ein bizarrer Fall von Tierquälerei beschäftigt das Bezirksgericht Dornbirn.

Dornbirn. Der 68-jährige Beschuldigte macht einen verwirrten und seltsamen Eindruck. So seltsam wie diese Geschichte selbst. Im Mittelpunkt der Verhandlung wegen Tierquälerei stehen zwei Katzen, die der Pensionist auf ungewöhnliche Weise getötet haben soll. Für Richter Frank Plasinger ist es nicht leicht, aus den konfusen Behauptungen des Rentners ein verständliches Gefüge zu knüpfen. Klar ist eigentlich nur, was ihm vorgeworfen wird. Die Anklage wegen Tierquälerei stützt sich auf eine Aussage des Bruders des Beschuldigten, die da lautet: „Er saß so lange auf den Katzen, bis sie tot waren.“ Vorher habe er ein Kissen auf sie gelegt.

Tatsächlich waren da zwei verendete Katzen, die von dem 68-Jährigen ehedem als Haustiere gehalten wurden. „Damals hatte ich sechs oder sieben Katzen. Aber heute bin ich auf null“, antwortet er wie auf eine Frage, die gar nicht gestellt wurde.

„Natürlicher Tod“

Der Richter will nur ergründen, wie die beiden Katzen gestorben sind. „Eines natürlichen Todes“, erwidert der Angesprochene selten klar. „Die Katzen waren krank, doch ich wusste nicht, an welcher Krankheit sie litten.“ Allerdings sei er des Öfteren mit ihnen beim Tierarzt gewesen. „Katzen lasse ich nicht leiden“, begründet er.

Dann werden seine Schilderungen wieder irrational. Er erzählt, wie er die Kadaver zwei Monate später (!) zu seinem Bruder bringen wollte. „Ich selbst konnte sie nicht begraben, das ist ja bewohntes Gebiet“, sagt er. So hätte er die toten Tiere in eine Alufolie gewickelt. „Das nur zur Sicherheit der Fahrgäste im Bus“, bemerkt er noch.

Der Bruder hätte ihm versprochen, die Kadaver zu entsorgen, schildert der Pensionist weiter. Anders die Aussage des Bruders vor der Polizei: „Er hat sie einfach über die Hecke in meinen Garten geworfen.“ Der Beschuldigte bestreitet das. Ebenso wie die Sache mit dem Kissen: „Stimmt alles nicht.“

Richter Plasinger fragt: „Hatten Sie Streit mit Ihrem Bruder?“

„Nein.“

„Warum dann diese ganzen Vorwürfe?“

„Das kann ich mir selbst nicht erklären.“

Unter Sachwalterschaft

Der Beschuldigte steht unter Sachwalterschaft. Ebenso sein Bruder, der sich vor der Verhandlung entschuldigt hat. Ein Schlaganfall in der Nacht, teilte er mit. Auch die Sachwalter bleiben der Verhandlung fern.

Doch um mit deren Hilfe Licht in die Sache zu bringen, muss der Richter die Verhandlung auf vorerst unbestimmte Zeit vertagen.