Zähes Ringen um Schmerzensgeld

Vorarlberg / 10.11.2015 • 19:29 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Jeder operative Eingriff ist mit Risiken verbunden. Mitunter können diese für Patienten schmerzhafte Folgen haben. symbolFoto: vn
Jeder operative Eingriff ist mit Risiken verbunden. Mitunter können diese für Patienten schmerzhafte Folgen haben. symbolFoto: vn

Zwei Vorarlberger Ärzte stehen in Vaduz weiter wegen einer Knie-OP vor dem Richter.

vaduz. (VN-mm) Zäh gestaltet sich der Prozess gegen zwei Vorarlberger Ärzte vor dem Fürstlichen Landgericht in Vaduz. Eine heute 59-jährige Frau aus Mauren hat den Unfallchirurgen und den Orthopäden wegen einer mangelhaften Knieoperation auf insgesamt 50.000 Franken Schmerzensgeld und Schadenersatz geklagt. Gestern Dienstag fand nun eine weitere Verhandlungsrunde statt. Zwei Gutachten sollten eine Klärung bringen. Zum einen ging es um die Frage der Schmerzdauer und Schmerzintensität, von deren Beantwortung letztlich eine mögliche Bemessung der Entschädigung abhängt. Zum anderen stand ein Zusammenhang zwischen verwendeten OP-Materialien und allergischen Reaktionen, an denen die Klägerin immer noch laboriert, zur Diskussion. Doch weder das eine noch das andere Gutachten konnte die Anwälte überzeugen. Der Prozess wurde deshalb neuerlich auf unbestimmte Zeit vertagt.  

Komplikationen

Die Vorgeschichte: Im Juni 2010 wurde der Frau am rechten Knie eine Prothese eingesetzt. Den Eingriff führte ein Orthopäde aus Dornbirn durch, die Vor- und Nachbehandlung übernahm der Unfallchirurg. Nach der Operation litt die Patientin jedoch an starken Schmerzen und bei Belastung drehte sich das Bein in eine X-Stellung. Es stellte sich heraus, dass eine größere Prothese verwendet wurde, um die Stabilität des Knies zu verbessern. Doch die Wunde nässte, und es bildete sich ein Ekzem. Als Folge der ganzen Malaise musste neuerlich operiert werden. Aufgrund der langen Schmerzmedikation kam es zu Darmblutungen, das Ekzem breitete sich aus, und zu allem Überfluss erhielt die Frau nach Ablauf der 90-tägigen Schutzfrist auch noch die Kündigung.

Sie klagte die Ärzte, bislang jedoch erfolglos. Schon die erste Prozessrunde im Jänner des vergangenen Jahres wurde vertagt. Dazwischen gab es Zeugeneinvernahmen, die bereits zu Beginn der Verhandlung für einen gehörigen Disput sorgten. „Soll das ein Witz sein?“, fragte der Anwalt des beklagten Unfallchirurgen, als er einen Schriftsatz der Gegenseite ausgehändigt bekam. Darin war von Verschleppungsabsicht und sogar Zeugenbeeinflussung die Rede. Nachdem sich die Gemüter beruhigt hatten, kamen die Gutachter zu Wort. Der Orthopäde sprach vom Schmerz als einem subjektiven Empfinden. Die Einschätzung falle deshalb individuell aus.

Die Frage, ob das Ekzem die postoperativen Schmerzen verstärkt habe, konnte der Gutachter nicht beantworten. Der dermatologische Sachverständige räumte zumindest ein, dass ein Patient bei leichten Schmerzen zwei unterschiedliche Auslöser differenzieren könne. Dadurch würde aber nicht aus zwei Mal leichten Schmerzen ein mittelstarker Schmerz. Aufschlüsse soll ein Ergänzungsgutachten bringen. Gleiches gilt für das verwendete Verbandsmaterial, dessen Chemikalien nach Meinung des Sachverständigen für die Allergie verantwortlich sind.