Ein Mutmacher für Pädagogen

11.11.2015 • 19:49 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Hirn- und Lernforscher Martin Korte gab faszinierende Einblicke in die Arbeitsweise des Gehirns. VN/Paulitsch
Hirn- und Lernforscher Martin Korte gab faszinierende Einblicke in die Arbeitsweise des Gehirns. VN/Paulitsch

Zweites Bildungsforum der Wirtschaftskammer mit Star-Referenten lockte 1500 Besucher an.

Bregenz. (VN-hk, jan) „Die Herausforderungen für die Veranstaltung werden größer“, meinte Wirtschaftskammerpräsident Manfred Rein (47) in der Pause mit einem zufriedenen Blick auf die riesige Schar von Besuchern im Festspielhaus. Tatsächlich fanden am Beginn des Forums kaum alle Interessierten einen Sitzplatz im Saal. Die Referenten zogen. Und auch wenn das Programm durch die „Außer-Programm-Rede“ (Rein) von Landeshauptmann Markus Wallner (48) mit Verspätung begann, hatten die Zuhörerinnen und Zuhörer, die meisten von ihnen Lehrer, ihr Kommen nicht zu bereuen.

Kabarettist Hans Klaffl (65), Genetiker Markus Hengstschläger (47), Hirn- und Lernforscher Martin Korte (51) und Philosophie-Star Richard David Precht (50) vermittelten nicht nur fundierte Erkenntnisse über Schule und Lernen, sondern sorgten auch für erstklassige Unterhaltung.

Hochbetrieb für Lachmuskeln

Das erste Highlight servierte dem Publikum der Kabarattist. Der Bayer Hans Klaffl nahm einige Lehrer-Klischees auf die Schippe und sorgte dafür, dass echte Lehrer über die fiktiven Lehrer seiner Präsentation herzhaft lachen konnten. Seine Parodien über Lehrerkonferenzen und Lehrereigenheiten sorgten für Dauerbelastung der Lachmuskeln – der ideale Einstieg für die nachfolgenden Vorträge, deren Seriosität sehr wohl auch mit einer anständigen Portion Humor durchmischt war.

Markus Hengstschläger enttäuschte seine Zuhörer einmal mehr nicht. Eindrucksvoll stellte der geborene Oberösterreicher unter Beweis, warum gerade ein Genetiker bei der Entwicklung von Bildungsstrategien helfen kann. Seine Ausführungen kreisten immer wieder um die Bedeutung der Individualität bei der Bildung von Schülern. „Wir haben kein Öl und kein niedriges Lohnniveau für Produktion. Wir müssen Talenten zum Durchbruch verhelfen. Das ist unsere Ressource“, wird Hengstschläger nicht müde zu betonen und kritisiert die österreichische Gesellschaft mit ihrer Orientierung an der Durchschnittlichkeit. „Leistung wird in ihrer Relation zu den Leistungen der anderen bewertet, statt die Leistung als solche“, findet der Genetiker.

Gehirn und Körper

Über einen ganz anderen, nicht minder faszinierenden Zugang zum Erfolg von Lernen referierte der deutsche Hirn- und Lernforscher Martin Korte. Im Mittelpunkt seiner Forschungen steht die Funktionalität des menschlichen Gehirns. Er warnt vor der Beschäftigung mit mehreren Dingen gleichzeitig und ruft dazu auf, digitale Information richtig und wohl proportioniert zu verwenden. „Wir sollten beim Wissenserwerb nicht nur digitale Suchstrategien entwickeln, sondern Wissenselemente auch in den Köpfen gespeichert haben“, empfiehlt der Wissensexperte, der unter anderem auch die Wechselwirkung von körperlicher Fitness mit Gehirnleistungen aufzeigte.

Richard David Precht fordert hingegen eine Bildungsrevolution. Der deutsche Philosoph und Autor warnt vor einer falschen Herangehensweise an die Probleme des Bildungssystems. „Wir dürfen nicht immer nur von der Schulform ausgehen“, sagte Precht. Stattdessen müsse man zunächst Inhalte und Methoden verbessern und dann eine passende Form suchen. Unter anderem fordert er eine Abschaffung von abgegrenzten Fächern: „Fächer behindern das Lernen ex­trem. Künstliche Grenzen der Fächer verhindern die Auseinandersetzung mit wesentlichen Themen, die sich nicht in ein Fach pressen lassen, wie etwa Geld oder Verkehr.“