Herbst wird nicht erwachsen

11.11.2015 • 19:57 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
In Bildstein genießt Sabine aus Sulz das schon unheimliche Frühlingswetter im Herbst. Foto: VN/Steurer
In Bildstein genießt Sabine aus Sulz das schon unheimliche Frühlingswetter im Herbst. Foto: VN/Steurer

Frühling zur falschen Zeit setzt sich fort. Mit Folgen für Flora, Fauna, Tiere und Skigebiete.

Bregenz. (VN-hk) Es ist jeden Tag das Gleiche: Die Sonne scheint von morgens bis abends. Mit Temperaturen, die sogar die 20-Grad-Marke knacken. Dieser Herbst will einfach nicht erwachsen werden und schon gar keinen Hinweis darauf liefern, dass irgendwann einmal der Winter kommen könnte. „In Vorarlberg sind im Gegensatz zum Osten Österreichs jedoch noch keine Rekorde gefallen“, weiß Meteorologin Monika Weis von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik in Innsbruck. Der Wetterbericht der kommenden Tage ist schnell erklärt. Es bleibt weiterhin mild und sonnig, erst für die Nacht auf Samstag sieht es nach einer vorübergehenden Abkühlung auf 12 Grad mit ein paar Regentropfen aus. „Doch schon für den Sonntag geht die Tendenz hin zu einer weiteren Warmfront“, berichtet Weis.

Rekord-November 2011

Den bisherigen Rekord-November in puncto Wärme und Trockenheit gab es vor vier Jahren. „Im Jahre 2011 regnete es in ganz Vorarlberg keinen einzigen Tag. Der Monat war an allen Stationen zu warm. Der damalige Temperaturspitzenwert lag bei 20,9 Grad in Schoppernau und in Feldkirch“, bemüht Monika Weis die Statistik.

Langsam unruhig werden ob der vorherrschenden Wärme die Verantwortlichen in den Skigebieten. In Lech will Seilbahnchef Michael Manhart (73) noch nichts von Panik wissen. Allerdings: Er nützt die derzeitige Wettersituation dazu, seine Forderung nach dem Bau eines großen Speichersees zwecks zügiger Beschneiung zu wiederholen. „Mit unseren jetzigen Möglichkeiten brauchen wir für die Beschneiung zwei Wochen, in denen es für die Schneeproduktion kalt genug sein muss. Hätten wir den Speichersee, könnten wir mit der dreifachen Geschwindigkeit beschneien und wären viel flexibler“, argumentiert Manhart. Noch sei der Saisonstart aber nicht gefährdet.

Noch gelassen

Gelassen sieht man die Situation derzeit noch im zweitgrößten Skigebiet des Landes, der Silvretta Montafon. „Wir sind bereit, jederzeit loszulegen. Natürlich wünschen wir uns, dass dies möglichst bald passiert. Wir studieren daher auch die Wetterprognosen jeden Tag sehr genau“, berichtet Liftchef Roman Sandrell (36). Verschiedenste schattige Stellen habe man bereits beschneit. An eine Verschiebung des Saisonstarts will Sandrell derzeit noch gar nicht denken. Blöd wär‘ das im Montafon allemal. Zwischen dem 4. und 6. Dezember würde im Skigebiet der Skicross-Zirkus gastieren, eine Woche später ginge es mit dem Snowboard-Weltcup weiter.

Gefährlicher Pilz

Während die Touristiker sich schön langsam nach dem „weißen Gold“ für die Berge sehnen, bleibt der frühlingshafte Herbst auch für Flora, Fauna und Tiere im Tal nicht ganz ohne Folgen. „Die Zugvögel haben sich schon im August verabschiedet, Tiere wie der Igel können sich für den Winterschlaf noch weiter anfressen, verschiedene Schmetterlinge könnten sogar den Winter überleben, und es gibt noch Bienen, Wespen und Hornissen, die herumfliegen. Alles kein Problem“, erklärt Biologe Klaus Zimmermann (56) von der Inatura. Viel schlimmer wäre ein Warmwettereinbruch nach einer Kälteperiode. „Wenn Pflanzen- und Tierwelt wieder erwachen und dann von der nächsten Kälteperiode buchstäblich kalt erwischt werden.“

Das derzeit einzige Problem sieht Zimmermann in der durch die Wärme verursachten starken Verbreitung des Hallimasch-Pilzes. Dies ist ein Holzschädling, der den Bäumen im heurigen Sommer bereits sehr zu schaffen gemacht hat. 

In Bildstein genießt Sabine aus Sulz das schon unheimliche Frühlingswetter im Herbst. Foto: VN/Steurer
In Bildstein genießt Sabine aus Sulz das schon unheimliche Frühlingswetter im Herbst. Foto: VN/Steurer
Michael Manhart wartet in Lech auf Kälte. Foto: VN/Hofmeister
Michael Manhart wartet in Lech auf Kälte. Foto: VN/Hofmeister