Falsche Polizeibeamte wollten „Gebühr“ von Roma erpressen

Vorarlberg / 12.11.2015 • 22:35 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Roma lagern derzeit in der Nähe des Dornbirner Bahnhofsareals.  Foto: VOL.AT/Rauch
Die Roma lagern derzeit in der Nähe des Dornbirner Bahnhofsareals. Foto: VOL.AT/Rauch

Zwei Vorarlberger suchten rumänisches Lager in Dornbirn heim und sengten Zelte an.

Dornbirn. (VN-gs) Mittwochnacht gegen 22.30 Uhr in der Bildgasse in Dornbirn: Zwei Vorarlberger im Alter von 36 und 38 Jahren befinden sich angetrunken auf dem Nachhauseweg. Als sie im Bereich der Bahnlinie 7 ein Zeltlager der Roma sichten, verdrängt offenbar eine törichte Idee den Verstand in ihren Köpfen: Sie geben sich als Polizeibeamte aus und fordern wegen der illegalen Nutzung der Flächen Geld von den Rumänen.

Doch die Roma lassen sich von den angeblichen Polizisten nicht beirren, was die Vorarlberger wütend macht. Sie rütteln an den Zelten, treten gegen die Zelte und sengen zwei von ihnen mit einem Feuerzeug an. An zumindest einem der Zelte entsteht dabei ein etwa 30 Zentimeter großes Loch.

Leicht verletzter Täter

Die Zeltbewohner beginnen sich zu wehren, es kommt zu einer Rauferei. Wie den Vorarlberger Nachrichten von Polizeisprecherin Susanne Dilp bestätigt wurde, erlitt dabei nur eine Person Blessuren. Einer der Vorarlberger Angreifer wurde leicht verletzt, „doch kaum der Rede wert“, ergänzte Dilp.

Doch damit noch nicht genug der stupiden Einfälle. Nach der Attacke auf das Roma-Lager begeben sich die beiden Männer zur Dornbirner Polizei und spielen dort selbst die Opfer eines Angriffs und einer Körperverletzung. Doch die echte Exekutive merkt bereits bei den Einvernahmen: Es ist ein falsches Spiel, der wahre Sachverhalt stellt sich schon bald heraus.

Selbstanzeige statt Anzeige

Aus der Anzeige der Verdächtigen wurde also praktisch eine Selbstanzeige. Wie Dilp den VN bestätigte, werden gegen die Männer auf freiem Fuß Strafanzeigen wegen schwerer Nötigung, versuchter Erpressung, Sachbeschädigung und Gefährdung der körperlichen Sicherheit an die Staatsanwaltschaft erstattet.

Bürgermeisterin vor Ort

Nach dem Vorfall in Dornbirn gibt es mittlerweile mehrere Reaktionen auf politischer Ebene. Die Stadt Dornbirn teilt mit, dass sich nach der Auflösung der Zeltlager in den Dornbirner Achauen Roma-Familien derzeit in den Nachtstunden rund um das Bahnhofsgelände befinden. Am Mittwochabend wurden nach 20 Uhr dort auch Zelte aufgestellt, die in der Früh von den Bewohnerinnen und Bewohnern wieder entfernt wurden. Mit großer Sorge beobachtet die Stadt den immer größer werdenden Unmut in der Bevölkerung. Der Vorfall in der Nacht sei nicht zu entschuldigen und müsse geahndet werden. Neben den Beamten der Polizeiinspektion und der Stadtpolizei war auch Bürgermeisterin Andrea Kaufmann bis zwei Uhr in der Früh vor Ort.

Vonseiten der ÖBB legt man weiterhin höchsten Wert auf einen sicheren Bahnbetrieb und die Zugänglichkeit der Bahnsteige für die Gäste, betont Hans Kapferer von den ÖBB. Da die Bettler auf Stadt- und nicht auf ÖBB-Grund nächtigen, achte man in erster Linie darauf, dass die Hausordnung des Bahnhofs beachtet wird. Diese umfasst neben dem Freihalten der Bahnzugänge auch ein Bettelverbot.

Dafür seien am Bahnhof Dornbirn derzeit bis zu vier Sicherheitsbedienstete im Einsatz, außerdem stehe man ständig im Kontakt mit Polizei und Stadt.