Einen Qualitätsschritt gehen

13.11.2015 • 19:42 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Viele Besucher kamen zur Diskussion um faire, regionale Lebensmittelvermarktung in den Vinomnasaal.  Foto: VN/Hofmeister
Viele Besucher kamen zur Diskussion um faire, regionale Lebensmittelvermarktung in den Vinomnasaal.  Foto: VN/Hofmeister

Bei „Erntedank“ wird nötige Zusammenarbeit von Land- und Gastwirten betont.

Rankweil. (VN-pes) „Landwirte und Gastronomie müssen Vertragspartner werden“. Zwei Mal fiel diese Forderung beim Abschluss der Diskussionsreihe „Erntedank“ der Bodenseeakademie am Donnerstagabend in Rankweil. Soll heißen: Heimische Gastronomen sollten bevorzugt Lebensmittel von heimischen Bauern beziehen, beide Seiten sollten sich vertraglich über die Bedingungen einigen. Aufgebracht von Elmar Herburger, Gastronomie-Bereichsleiter bei der WKO, griff auch Landesrat Erich Schwärzler diese Idee auf. „Wir müssen den nächsten Qualitätsschritt gehen“, kommentierte der Landesrat seine Äußerung.

Preis stimmt nicht mehr

Bei der Diskussion um gesunde Lebensmittel mit dem Motto „regional, partnerschaftlich und fair“ herrschte unter den Podiumsgästen Einigkeit, dass im Ländle hochwertige Lebensmittel produziert werden, diese aber einen fairen Preis brauchen. „Wir wollen nicht jede Arbeitsstunde aufrechnen, aber das Verhältnis zum Preis dieser guten Produkte stimmt nicht mehr“, stellte Landes- und Bundesbäuerin Andreas Schwarzmann aus Raggal klar.

Auch hinken die Vergleiche in der Preis-Debatte, so ein Publikumsbeitrag. Alpenkäse aus dem Bregenzerwald sei ein Premiumprodukt, das man nicht mit Billig-Gouda aus dem Diskonter vergleichen könne.

Pro Direktvermarktung

Kontrovers diskutiert wurden entsprechend Fragen der Vermarktung und der Bewusstseinsbildung. Auf Anklang stieß das Konzept von Bertram Nachbaur, der von Milchvieh auf Mutterkuhhaltung von Angus-Rindern umgestiegen war, deren Fleisch er über seine Website verkauft. „Die Direktvermarktung läuft super, ich werde keinen anderen Weg mehr einschlagen“, erklärte er.

Auch Gemüsebauer Karl Kühne setzt auf den Verkauf ab Hof, zählt jedoch auch Einrichtungen wie das LKH oder Bildungszentren wie St. Arbogast zu seinen Kunden. Noch größere Kunden wie Handelsketten würden den Bauern alles abnehmen, mahnte Gastronomievertreter Herburger, „wir bekommen dann nichts mehr“.

Viele Rückschläge

Viele Versuche, Gastronomie und Landwirte zusammenzubringen, seien gescheitert und auch viele Ländle-Marken seien baden gegangen, musste sich Herburger als Kritik aus dem Publikum gefallen lassen. Den Grund sieht er zum Teil darin, dass Marken wie Ländle-Kalb mit der Zeit zu Massenprodukten wurden. „Die Menschen sind dann nicht mehr dahintergestanden.“ Dass regionale Produkte per se teurer sein müssen, stimme nicht immer, wie Gerhard Kerber, Küchenchef der Berufsschule für das Gastgewerbe in Lochau, erklärte. Seine Küche spare seit dem Umstieg von Großhandels-Frischkäse auf regionalen Topfen aus Schnifis viel Geld.

Dass die verschiedenen Sparten der Lebensmittelbranche diese Themen bei „Erntedank“ ausdiskutieren, lobte Landesrat Schwärzler: „Dass Bauern, Köche und Gastwirte sich an einen Tisch setzen, das hätte es vor zehn Jahren nicht gegeben.“