Hohe Vorauszahlung kassiert, aber Auftrag nicht erfüllt

Vorarlberg / 13.11.2015 • 20:29 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Bis dato wurde mit dem bereits anbezahlten Bau des Wintergartens nicht begonnen. Längst sollte die Terrasse wie auf diesem Bild aussehen.
Bis dato wurde mit dem bereits anbezahlten Bau des Wintergartens nicht begonnen. Längst sollte die Terrasse wie auf diesem Bild aussehen.

Warnung vor unseriösem Fensterbauer. Vermutliche Opfer erstatteten Anzeige.

Heidi Rinke-Jarosch

FRASTANZ. Norbert Summer ist verärgert. Der Pensionist aus Frastanz hatte auf ein Inserat in einem Gratisblatt geantwortet, in dem Fenster, Wintergärten, Terrassenüberdachungen und Balkonverglasungen sowie kostenlose Beratung und Planung angeboten werden. Eine österreichische Handynummer steht dabei.

Summer rief dort an. Kurz darauf traf der Fensterbauer ein, um den Auftragsvertrag abzuschließen. Ein weiteres Mal kam er in Begleitung eines Monteurs, um das Areal des künftigen Wintergartens zu vermessen. „Dann sagte er, ich müsse 16.000 Euro anzahlen, damit er das Material beschaffen kann“, berichtet Summer.

Hohe Anzahlung geleistet

Der Pensionist blätterte die Geldscheine hin. Er zeigt die Zahlungsbestätigung, datiert am 4. Mai 2015. Darauf steht, dass der genannte Betrag für die „Terrassenüberdachung gemäß Vereinbarung bzw. laut Auftragsbestätigung Nr. 73 vom 24.3.2015“ geleistet wurde. Die gesamte Summe für den Bauauftrag beläuft sich auf 24.000 Euro.

Der Fensterbauer meldete sich indes nicht mehr. Nach Wochen des Wartens rief Summer den Mann an und erinnerte ihn daran, dass da ein Wintergarten zu bauen sei oder er die 16.000 Euro zurückzahlen müsse. „Der Fensterbauer hat zwar versprochen, gleich mit der Arbeit zu beginnen, aber einmal mehr ist nichts passiert“, sagt Summer.

Das Szenario habe sich mehrmals wiederholt, bis Summer der Kragen platzte und den Dornbirner Rechtsanwalt Anton Schäfer kontaktierte. Der Anwalt riet Summer, den Fensterbauer bei der Polizei anzuzeigen – von einer zivilrechtlichen Klage sei abzuraten, da diese sehr teuer käme und das Prozessrisiko zu hoch sei. Der Anbieter wohnt zwar in Vorarlberg, seine Firma ist jedoch in der Schweiz ansässig.

Summer ging zur Polizei und schickte zudem dem Fensterbauer am 23. Oktober folgendes E-Mail: „Hallo Herr … . Wir möchten Sie ein letztes Mal dringend ersuchen, unsere Anzahlung zu retournieren. Dazu räumen wir Ihnen eine Frist von zwei Wochen ein, falls Sie die Frist verstreichen lassen, ohne eine positive Lösung anzubieten, müssen wir leider auch bei der schweizerischen Kantonspolizei und Gewerbeaufsicht eine Anzeige machen. Mit etwas Willen Ihrerseits wäre dies noch zu vermeiden. Wir hoffen, es kommt Ihnen entgegen.“

Mehrere Fälle aktenkundig

Die Antwort erfolgte zwei Tage später: „Sehr geehrter Herr Summer, ihre Drohungen interessieren mich nicht mehr. Gruß …“ Inzwischen hat Summer auch der Schweizer Polizei Anzeige erstattet. Summer meldete die Angelegenheit auch der Arbeiterkammer-Konsumentenberatung. Abteilungsleiterin Karin Hinteregger informiert die VN, dass der Frastanzer Pensionist nicht das einzige Opfer dieses Fensterbauers sei: „Wir haben mehrere Fälle aktenkundig.“ Der Sachverhalt laute bei allen Fällen gleich: Kunden meldeten sich auf eines der Inserate in den Gratis-Zeitungen. Der Fensterbauer habe ein Angebot erstellt, einen Auftragsvertrag abgeschlossen, eine Anzahlung kassiert und dann nichts mehr von sich hören lassen. Urgieren habe nichts genützt. Bis heute sollen weder die Aufträge erfüllt, noch Rückzahlungen geleistet worden sein. Hinteregger empfiehlt: „Nach unseren Erfahrungen mit betroffenen Konsumenten müssen wir dringend davon abraten, auf diese Inserate zu reagieren.“

Als Geschädigter sieht sich auch ein Lauteracher. Er habe dem Fensterbauer Anfang Mai den Auftrag erteilt, um 25.000 Euro einen Wintergarten zu errichten. 15.000 Euro zahlte er laut Bestätigung bar an, doch der Fensterbauer habe bis dato keinen Finger gerührt. „Wenn ich nachgefragt habe, hat er jedes Mal gesagt, er komme nächste Woche.“ Auch der Lauter­acher hat sich an die AK-Konsumentenberatung gewendet und bei der Polizei Anzeige erstattet.

Erfüllungsgarantie verlangen

Hubert Sigg, Tischlermeister und Berufsgruppensprecher in der WKV (Wirtschaftskammer Vorarlberg), warnt ebenfalls vor solchen Anbietern und macht darauf aufmerksam, dass der Besagte in Vorarlberg kein Gewerbe angemeldet habe und auch nicht Kammermitglied sei.

Tatsächlich ist das Vorarlberger Unternehmen dieses Fensterbauers letztes Jahr insolvent geworden. Seitdem operiert er von der Schweiz aus. Ob er nun vorsätzlich gehandelt habe oder nicht – die Angelegenheit sei für das Vorarlberger Fenstermachergewerbe höchst unangenehm, sagt Sigg. „Die Vorarlberger Fensterbauer sind fair, ihnen kann man vertrauen.“ Den Kunden legt er nahe, sich über Firmen, denen sie Aufträge erteilen wollen, im Vorfeld bei der Wirtschaftskammer zu erkundigen.

Des Weiteren rät Sigg: „Verlangt der Auftragnehmer eine Vorauszahlung, sollte der Kunde eine ‚Erfüllungsgarantie‘ von dessen Bank fordern.“ Die Bank garantiert die Rückzahlung der Vorauszahlung, wenn der Auftragnehmer den geforderten Leistungen nicht nachkommt.

„Ganz entspannt“ gedroht

Der Fensterbauer selbst kommentiert die gegen ihn gerichteten Vorwürfe gegenüber den VN so: „Es wird alles geregelt und erledigt.“ Bezüglich der Anzeigen bei der Polizei meint er: „Ich bin ganz entspannt.“ Allerdings drohte er Summer am 11. November per E-Mail an, strafrechtliche Schritte gegen ihn einzuleiten, „falls in irgendeiner Zeitschrift ein Artikel mit ihren verleumderischen Angaben erscheinen wird“. Außerdem werde er Summer auf Schadenersatz klagen, „was dann von ihrer Anzahlung übrig bleibt, wird sich zeigen.“

Ich zahlte 16.000 Euro an, geleistet wurde aber noch nichts.

Norbert Summer

Info + Hilfe: WK Vorarlberg,
Tel: 05522305, www.wko.at;
AK Vorarlberg, Konsumentenschutz, Tel. 050258-0, kontakt@ak-vorarlberg.at; www.arbeiterkammer.at