Von 2500 Handy-Sündern wird nur ein einziger bestraft

13.11.2015 • 21:49 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Die Ablenkung beim Telefonieren am Steuer entspricht etwa jener bei 0,8 Promille Blutalkoholgehalt. Foto: Vn/Hartinger
Die Ablenkung beim Telefonieren am Steuer entspricht etwa jener bei
0,8 Promille Blutalkoholgehalt. Foto: Vn/Hartinger

Im Vorjahr fast 5000 Lenker in Vorarlberg beim Handy-Telefonieren am Steuer erwischt.

Schwarzach. Exakt 4914 Lenkerinnen und Lenker waren es, die 2015 in Vorarlberg von der Polizei beim Handy-Telefonieren am Steuer ertappt wurden.

Doch es wird in Österreich nur einer von 2500 Handy-Sündern von der Exekutive erwischt, macht der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) aufmerksam. Autofahrer, die mit dem Handy am Ohr telefonieren, reagieren ähnlich langsam wie Alko-Lenker mit 0,8 Promille. Der VCÖ fordert neben verstärkten Kontrollen auch die Aufnahme von „Handy am Steuer“ ins Vormerksystem – ähnlich wie bei Alkoholfahrten.

Der VCÖ weist darauf hin, dass in den vergangenen fünf Jahren in Vorarlberg 23.711 Handy-Vergehen von der Exekutive geahndet wurden. „Das klingt nach viel, ist aber nur ein winziger Bruchteil der Vergehen“, stellt VCÖ-Experte Markus Gansterer fest. In Österreich werden pro Tag beim Autofahren rund 900.000 Telefonate ohne Freisprechanlage geführt (Quelle KfV). Der VCÖ weist darauf hin, dass in Österreich nur einer von 2500 Handy-Sündern bestraft wird. Für Vorarlberg ist von einem ähnlichen Verhältnis auszugehen.

Kontrollprobleme

Der Rückgang bei den Handy-Strafen in Vorarlberg von 5381 im Jahr 2013 auf 4914 im Vorjahr ist daher nicht auf den Rückgang von Vergehen zurückzuführen, sondern eher auf die Anzahl der Kontrollen.

Der Exekutive wird die Überwachung von Handy am Steuer sehr erschwert: Der Lenker muss angehalten werden, eine automatisierte Überwachung ist damit nicht möglich. Das sagte auch Vorarlbergs Verkehrspolizei-Chef Rudolf Salzgeber gegenüber den Vorarlberger Nachrichten: „Aufnahmen von Radarboxen oder Abstandsmessungen sind für die Polizei nicht verwertbar.“ Der VCÖ fordert eine rasche Gesetzesänderung.

Bundesländervergleich

Im Bundesländer-Vergleich wurden in Wien die meisten Lenker beim Handy-Telefonieren am Steuer erwischt, nämlich 26.753.

Dahinter folgen die Steiermark (25.875) und Niederösterreich (23.956) und mit großem Abstand Oberösterreich (15.518). Die Unterschiede bei diesen vier Bundesländern sind in erster Linie auf die Anzahl der Kontrollen zurückzuführen und nicht auf Unterschiede im Bewusstsein der Bevölkerung.