Wir sind nur Gast auf Erden

Vorarlberg / 13.11.2015 • 18:30 Uhr / 5 Minuten Lesezeit

So heißt es in einem bekannten Lied. Und natürlich stimmt dies, und wir wissen es auch. Trotzdem versuchen wir, diese Tatsache zu verdrängen, so gut es geht. Denn wir fühlen uns im Allgemeinen ganz wohl in dieser Welt und richten unser ganzes Denken darauf, uns hier häuslich einzurichten, als ob dieses Leben kein Ende finden würde. So sind wir dann auch froh, wenn dieser Monat, der in besonderer Weise dem Totengedenken gewidmet ist, wieder einmal vorbei ist und wir nicht mehr so offensichtlich an das Sterben-Müssen erinnert werden. Denn wir alle sehnen uns doch nach Leben, und da scheint der Tod einen ganz unbarmherzigen Strich durch unsere ganzen Wünsche und Sehnsüchte zu machen. „Wir sind nur Gast auf Erden“ ist allerdings Gott sei Dank nur die halbe Wahrheit.

Denn unsere Heimat ist im Himmel.

Das ist die eindeutige Botschaft der Bibel. Dazu hat uns Gott erschaffen und im Tod und in der Auferweckung seines Sohnes gezeigt, dass er uns Leben in Fülle schenken kann und will, auch über den Tod hinaus. Trotzdem fällt uns dieser Gedanke nicht leicht, denn zu offensichtlich scheint das Leben in dieser Welt alles und der Tod damit das unwiderrufliche Ende zu sein. Schließlich ist noch niemand aus dem Jenseits zurückgekommen, um uns zu beweisen, dass er lebt, so sagen wir. Als Christen glauben wir aber sehr wohl, dass einer nicht im Tod geblieben ist, sondern auferweckt wurde und sich seinen Jüngern gezeigt hat als einer, der lebt: Jesus Christus. Und diese Begegnung hat sie, die vorher durch den Tod ihres Meisters so verunsichert waren, so begeistert, dass sie in die ganze damalige Welt hinausgezogen sind, um der Welt zu verkünden: „Er lebt, und daher werden auch wir leben und Heil und Zukunft über den Tod hinaus finden.“

Uns bleibt nur dieses Zeugnis seiner Jünger als Grund unserer Hoffnung. Ein Zeugnis allerdings, das zutiefst glaubwürdig ist, da sie es selbst mit ihrem Tod besiegelt haben, weil sie die unerschütterliche Hoffnung hatten, dass ihr Leben gerade im Heimgang zu Gott seine wahre Erfüllung findet und unsere ganze Sehnsucht nach wirklich geglücktem Leben in der Gemeinschaft mit Christus gestillt wird, der ihnen und uns versprochen hat, dass er vorausgeht, um auch uns eine ewige Wohnung zu bereiten.

Trotzdem ist dieses Leben nicht nur ein Wartesaal, so wie wir untätig auf das Kommen eines Zuges warten, dessen Ankunft wir nicht beeinflussen können. Vielmehr sind wir in dieser Welt berufen, uns für das neue Leben zu bereiten, indem wir uns bemühen, immer mehr in der Liebe zu wachsen. Denn Gott ist die Liebe, und daher kann nur der in Gott Heil und Leben in Fülle finden, der gelernt hat, zu lieben.

So ist gerade die Liebe, die in Gott ihren Urgrund hat, mit ihrer Sehnsucht nach Ewigkeit Ausdruck unserer Hoffnung, dass dieses Leben nicht alles sein kann.

Und diese Hoffnung durchzieht die ganze Menschheitsgeschichte, wie auch die Begräbnissitten schon in den frühesten Kulturen zeigen, auch wenn dies zunächst nur eine unbestimmte Ahnung war. Wir haben dagegen die zuversichtliche Hoffnung, dass diese Ahnung nicht ins Leere geht, sondern in Gott ihre Erfüllung finden wird. Das ist unser Trost, wenn wir gerade in diesen Tagen von uns vermehrt mit den Menschen verbunden wissen, die wir geliebt haben und die uns im Tod vorausgegangen sind, dies ist aber auch unsere Zuversicht, wenn wir an unseren eigenen Abschied von dieser Welt denken, dem niemand entgehen kann. Denn „wer glaubt, der zittert nicht“, so die Überzeugung des heiligen Papstes Johannes XXIII. Möge dieses Vertrauen auch unser Leben leiten und tragen und so auch die Angst vor unserem Tod von der Seele nehmen.

Diakon Werner Scheffknecht