„Fans“ außer Rand und Band

15.11.2015 • 21:03 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Unruhen während des Spiels arteten nach dem Schlusspfiff in Steinwürfe aus. Fotos: VN/Lerch
Die Unruhen während des Spiels arteten nach dem Schlusspfiff in Steinwürfe aus. Fotos: VN/Lerch

Hooligans bewarfen Polizei und Gegner im Reichshofstadion mit Steinen. 

Lustenau. (VN-ger, cha) Das VFV-Cupspiel zwischen den Amateuren des SC Austria Lustenau und des SCR Altach hatte bereits im Vorfeld für mächtig Wirbel gesorgt – die VN berichteten in ihrer Samstagsausgabe. Im Raum stand nicht zuletzt eine Absage bzw. Verschiebung der Partie. Schlussendlich konnten die Verantwortlichen beider Vereine kein Gefahrenpotenzial erkennen, der Anpfiff erfolgte planmäßig am Samstag um 14 Uhr. Aufgrund der Hinweise, dass auch gewaltbereite Fans aus Davos (für Altach) und Augsburg (für Lustenau) nach Lustenau reisen würden, sicherte eine Polizeieinheit das Spiel dennoch ab. Ausschreitungen konnten allerdings nicht verhindert werden.

Vermummt

Laut Polizei kam es bereits während des Spiels zu Provokationen und Unruhen. Bengalos wurden gezündet. Rund 30 zum Teil vermummte Fans aus dem Lustenauer Lager versuchten, zu den Gästefans zu gelangen. Doch dem nicht genug. Nach dem Schlusspfiff bewarfen die Hooligans Polizeibeamte mit Steinen und auch ein Fanbus der Altacher, dessen Fahrer sich nicht an die abgesprochene Fahrtroute gehalten hatte, kam unter „Beschuss“. Verletzt wurde bei dem Vorfall niemand. Der Bus wurde allerdings schwer beschädigt. Die Höhe des Schadens war zunächst nicht bekannt. Die Schützengartenstraße musste von 15.55 bis 16.30 Uhr gesperrt werden.

„So was habe ich in einem Amateurspiel noch nie gesehen. Das hat mit Fußball und Fankultur nichts zu tun“, macht Austria-Torhütertrainer Andreas Morscher seinem Ärger auf Facebook Luft. „Ich wünsche mir nur, dass man die beteiligten Personen aus dem Stadion eliminiert.“

Enttäuscht über die Vorfälle rund um das Amateur-Derby zeigt sich auch Altach-Geschäftsführer Christoph Längle, zumal man seitens des Vereins im Vorfeld das Gespräch mit den eigenen Fans gesucht habe. „Jetzt hatten wir zwei Jahre keine Probleme und es ist eine Vertrauensbasis entstanden. Umso mehr ärgere ich mich über die Aussagen vor dem Spiel. Gott sei Dank hat die Exekutive die Situation richtig eingeschätzt und Schlimmeres verhindert. Wir werden uns nicht scheuen, erneut Stadionsperren auszusprechen“, sagt Längle.

Gefährdungsanalyse

Ausgangspunkt für die Diskussionen in den Tagen vor dem Spiel war eine Gefährdungsanalyse, die bei Spielen zwischen Altach und der Lustenauer Austria von szenekundigen Polizisten durchgeführt wird. Laut Exekutive musste damit gerechnet werden, dass befreundete Fangruppierungen aus Davos und Augsburg das Spiel für ihre altbekannten Auseinandersetzungen nützen würden. Die Bezirkshauptmannschaft Dornbirn wurde daraufhin aktiv und forderte die Vereine zu einer Stellungnahme auf. Nach beiderseitigen Gesprächen mit den Fans gab es offenbar keine Hinweise auf derartige Aktivitäten.

Mit Fußball und Fankultur hat das alles nichts mehr zu tun.

Andreas Morscher
Rund 40 Polizeibeamte mussten mehrmals dafür sorgen, dass sich die Fans nicht zu sehr in die Haare gerieten. 
Rund 40 Polizeibeamte mussten mehrmals dafür sorgen, dass sich die Fans nicht zu sehr in die Haare gerieten.