„Mehr Freiheit für Wirtschaft“

15.11.2015 • 17:37 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Beim VN-Stammtisch formulierten Vorarlberger Spitzenpolitiker nicht nur ihre Zukunftsvisionen, sondern drückten auch ihr Entsetzen über die Anschläge in Paris aus . Fotos: VN/Steurer
Beim VN-Stammtisch formulierten Vorarlberger Spitzenpolitiker nicht nur ihre Zukunftsvisionen, sondern drückten auch ihr Entsetzen über die Anschläge in Paris aus . Fotos: VN/Steurer

Beim VN-Stammtisch stand die Zukunft Vorarlbergs im Fokus – und die schrecklichen Ereignisse in Paris.

Schwarzach. (VN-sca) Das Thema des Stammtisches anläßlich der 70-Jahre-Feier der Vorarlberger Nachrichten war klar: „Vorarlberg 2045: Wie müssen die Weichen für eine positive Entwicklung gestellt werden?“ Doch die langfristigen Zukunftspersepektiven, über die Chefredakteur Gerold Riedmann mit Spitzenrepräsentanten der Landtagsparteien diskutierte, waren diesmal eines von zwei Themen. Die Terroranschläge in Paris standen zuerst im Mittelpunkt des VN-Stammtischs.

Brücken statt Zäune

Neos-Abgeordnete Sabine Scheffknecht appellierte angesicht des Schreckens an die Menschen, „einander die Hände zu reichen und nicht Zäune, sondern Brücken zu bauen“, und gemeinsam gegen die feigen Anschläge von Extremisten vorzugehen. Einig waren sich die Politiker Scheffknecht, Dieter Egger (FPÖ), Adi Gross (Grüne), Michael Ritsch (SPÖ) und Roland Frühstück, dass die europäische Zivilgesellschaft vor diesem Terror nicht zurückweichen darf. Wie dies geschehen soll, darüber gehen die Meinungen auseinander. Natürlich fordert Egger härtere Maßnahmen sowohl in der Flüchtlingsfrage als auch bei der Bekämpfung von Extremisten. Den Regierungen attestiert er Unfähigkeit. SPÖ-Ritsch stellte dazu fest, „dass solche hinterfotzigen Anschläge von keiner Regierung zu verhindern sind“. Die beste Art, dem zu begegnen sind für ÖVP-Klubobmann Roland Frühstück harte Maßnahmen gegen die Terroristen von den Regierungen Europas gemeinsam. In Vorarlberg, so Frühstück, gebe es derzeit keine Hinweise auf terroristische Tätigkeiten.

Hausaufgaben

Herausforderungen wie diese Anschläge werde es auch in Zukunft zu meistern geben, sind sich die Diskutanten am Podium einig. Daneben gibt es aber eine ganze Reihe von Hausaufgaben, mit deren Erledigung schon heute begonnen werden muss, wenn sie im Jahr 2045 dafür sorgen sollen, dass es den Vorarlbergern und dem Land entsprechend gut geht. Michael Ritsch formulierte seine Visionen in Sachen Verkehr: „Eine Straßenbahn, die die Orte des Rheintals verbindet, ein bahnfreies Bodenseeufer, ein autofreies Lustenau und das E-Car auf allen Wegen.“ Was eine Vision sei, habe die Politik aber in den Händen. Dass die Mobilität der Zukunft eine andere ist als heute, darüber herrscht Konsens.

Schnellere Umsetzung

Der grüne Klubobmann Adi Gross baut auf die Vernunft der Bürger in der künftigen Großstadt Rheintal, und verweist darauf, wie erfolgreich schon jetzt die Initiative war, die das Radfahren für die Vorarlberger attraktiver machte. Dass die beiden Seiten des Rheins bis 2045 verbunden sind, ist für Frühstück klar, Sabine Scheffknecht (Neos) mahnt aber eine schnellere Umsetzung ein. Es könne nicht sein, dass es weitere 20 Jahre braucht, bis Lustenau entlastet wird, sagt sie und verspricht den Kollegen am Podium, dass sie damit auch im Landtag lästig sei.

Freiheit für die Bürger

Eigenverantwortung müsse den Bürgern ermöglicht werden, es brauche aber auch gelebte Solidarität, skizziert Egger die Vorstellungen der Freiheitlichen. Das gelte in der Gesellschaft wie in der Wirtschaft. Und an diesem Vorsatz haben auch andere nichts zu kritisieren. Im Wesentlichen forderten die Politiker mehr Freiraum auch in der Wirtschaft. „Ein Silicon Valley der nachhaltigen Energie und Wirtschaft“, könnte Vorarlberg werden, sieht Adi Gross in die Zukunft, aber dafür brauche es natürlich einen Rahmen. Man müsse aber selbstverständlich auch sagen, in welche Richtung der Zug fahren soll. Eine Entfesselung der Wirtschaft steht auf der Agenda der großen Regierungspartei ÖVP, sagt Klubobmann Frühstück und verweist auf bereits angegangene Maßnahmen. Die Energieautonomie sei auf gutem Weg. Er stellt aber  klar: „Wir haben keine gemeinsame Agenda mit den Grünen für diese lange Zeit.“ Und dort steht wie bei den anderen Parteien die Umsetzung der Bildungsreform ganz vorne.

„Mehr Eigenverantwortung, größere Freiheit“: CR Gerold Riedmann im Gespräch mit FP-Egger und Neos-Scheffknecht.
„Mehr Eigenverantwortung, größere Freiheit“: CR Gerold Riedmann im Gespräch mit FP-Egger und Neos-Scheffknecht.

Stimmen

Ich wünsche mir eine starke Bürgergesellschaft mit viel Eigenverantwortung. Wer Freiheit möchte, der muss auch Verantwortung übernehmen.

Dieter Egger (FPÖ)

Ich würde mir für 2045 eine öffentliche Drei-Länder-Universität Vorarlberg-Schweiz-Deutschland wünschen.

Michael Ritsch (SPÖ)

2045 wird sich die Mobilität mehr auf den Menschen konzentrieren und weniger auf das Auto setzen.

Adi Gross (Grüne)

Die Autobahnen Vorarlbergs und der Schweiz werden miteinander verbunden sein. Der Individualverkehr wird deutlich zurückgegangen sein.

Roland Frühstück (ÖVP)

Ich weigere mich zu akzeptieren, dass es noch 20 bis 30 Jahre dauern soll, bis es eine Autobahnverbindung in die Schweiz gibt.

Sabine Scheffknecht (NEOS)

2045 wird es keine vier Bezirke mehr geben, sondern nur noch zwei Autokennzeichen: VS für Vorarlberg-Süd und VN für Vorarlberg-Nord.

Michael Ritsch (SPÖ)