Volksschule platzt aus allen Nähten

15.11.2015 • 19:07 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Schüler machen im Unterricht das Beste aus den abenteuerlichen Zuständen. 
Die Schüler machen im Unterricht das Beste aus den abenteuerlichen Zuständen. 

Unterricht im Gang und in Containern ist in Schruns schon fast Normalität. 

Schruns. „Jaaa“, tönt es unisono aus den Mündern der Volksschüler, als wir sie für den Fototermin in die Containerräumlichkeiten bitten. „Wir haben die Klasse noch nie von innen gesehen“, erklärt eine Erstklässlerin die kollektive Freude. Was für die Schüler ein „Abenteuer“ sein mag, ist für Direktorin Kornelia Schlatter und das Lehrpersonal der Schrunser Volksschule im Dorfzentrum aber eine logistische Herausforderung.

Die Schule der Montafoner Kommune platzt aus allen Nähten. Schon seit zwei Jahren müssen die Schüler teilweise im Gang und im Lehrerzimmer unterrichtet werden. Seit September gibt es zudem einen provisorischen Zubau: Um der Platznot Herr zu werden, wurden unmittelbar an die Attika der Volksschule anschließend Unterrichtsräumlichkeiten in Containern errichtet; damit stehen Schülern und Lehrern eine zusätzliche, 50 Quadratmeter große Klasse sowie ein Nebenraum mit zehn Quadratmetern zur Verfügung.

Weniger Schüler als früher 

Geschuldet ist der akute Platzmangel aber nicht den steigenden Schülerzahlen; denn früher wurden in dem im Jahr 1950 erbauten Gebäude 160 Schüler unterrichtet, heute wird die Schrunser Volksschule von 130 Schülern besucht. Die veränderten Unterrichtsbedingungen sind es, die die Beteiligten an ihre Grenzen stoßen lassen. „Heute wird viel mehr in Kleingruppen und Einzelförderungsunterricht gearbeitet als früher“, sagt die Direktorin. „Trotz der Containerlösung fehlen uns Kleinräume aber nach wie vor zur Gänze“, betont sie. „Wir hätten gerne Lesepaten, doch wir wissen nicht, wo wir die hinsetzen könnten“, führt sie als Beispiel an. In Sachen Schülerbetreuung, Bücherei und TV-Raum sieht es ebenfalls schlecht aus. All das findet im Keller statt, informiert Schlatter. Auch werde noch immer zusätzlich im Gang und im Lehrerzimmer unterrichtet.

„Kein Dauerprovisorium“

In guter Zusammenarbeit mit Bürgermeister Jürgen Kuster werde nach einer Lösung gesucht, nach einer Lösung, die finanzierbar und machbar ist. Hier gibt es jedoch nicht viel Spielraum. „Die Container sollten natürlich kein Dauerprovisorium werden“, steht für das Gemeindeoberhaupt außer Frage. Technisch sei es jedoch so gelöst, „dass es durchaus drei Jahre so bleiben kann. Die Räume sind moderner als die regulären Klassen“, betont Kuster. Bis dahin, also in drei Jahren, „sollten wir ein umsetzungsreifes Projekt haben, um dem Platzmangel Herr zu werden“. Ein Ausschuss befasst sich bereits mit der Thematik. Die zwar kostspielige, aber ideale Option, so die beiden, wäre eine Aufstockung. Eine Erweiterung sei aufgrund der fast angrenzenden Mittelschule, die ebenso unter Platznot leidet, wohl kaum machbar.

Trotz der Container fehlen uns die Kleinräume nach wie vor.

Kornelia Schlatter

Trotz der Container fehlen uns die Kleinräume nach wie vor.

Kornelia Schlatter
Die provisorischen Containerräume grenzen unmittelbar an das Mittelschulgebäude an (rechts).  VN/JS
Die provisorischen Containerräume grenzen unmittelbar an das Mittelschulgebäude an (rechts). VN/JS