Aus Wut verhasster Bekannten eine Diebstahlsliste angedichtet

16.11.2015 • 21:29 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Unterländerin behauptete, zur Diebstour im Bregenzer GWL verleitet worden zu sein.

Bregenz. (VN-gs) Zu Beginn der Verhandlung am Bezirksgericht Bregenz stellt Rechtsanwalt Helgar Schneider seiner der Anstiftung zum Ladendiebstahl beschuldigten Mandantin folgende Fragen:

„Haben Sie je unter Nagelpilz gelitten?“

„Nein“.

„Mögen Sie Thunfisch?“

„Nein.“

„Hering?“

„Nein“.

„Fleisch oder überhaupt Fisch?“

Und wieder „Nein“ als Antwort. Grund für diesen speziellen Fragenkatalog: Genau das waren die Produkte, mit denen sich eine Frau im Juni aus dem Bregenzer Gemeinschaftswarenhaus am Leutbühel (GWL) aus dem Staub machen wollte. Ohne sie vorher zu bezahlen, versteht sich. Aber sie sei von der Beschuldigten zum Stehlen dieser Waren angestiftet worden.

Auffälliges Verhalten

Den erfahrenen Augen des Ladendetektivs war ihr eigenartiges Verhalten bereits im Geschäft aufgefallen, wie er als Zeuge vor Bezirksrichter Christian Röthlin schildert: „Sie hat sich zu vorsichtig umgesehen. Profis stecken ein und marschieren. Anfänger schauen sich um“, begründet er sein damaliges Misstrauen. Jedenfalls nahm er die ertappte Diebin mit ins Büro. Dort legte sie die Beute auf den Tisch und verblüffte den Detektiv mit der Behauptung: „Das sind nicht meine Sachen, die gehören einer anderen.“

Mit der „Anderen“ meinte sie eine Bekannte, die sie vorher mit einer „Diebstahlsliste“ versorgt habe. „Das lass mir bitte mitgehen“, habe sie ihr aufgetragen. Doch weder dem Detektiv noch anschließend der Polizei vermochte sie diese Liste vorzulegen.

Freispruch

Ihre Bekannte kam dennoch zum Handkuss: beschuldigt der Anstiftung zum Diebstahl. Vor Gericht streitet sie sämtliche Vorwürfe ab. Für die Behauptungen der Ladendiebin hat sie zunächst keine Erklärung, entsinnt sich dann aber doch: „Ich habe sie ein paar Monate bei mir wohnen lassen. Dann wollte sie den Haustürschlüssel nicht mehr herausrücken. Ich habe sie hinausgeworfen und auch geschlagen.“ Damit habe sie sich wohl den Hass der ehemaligen Mitbewohnerin zugezogen.

Urteil in Abwesenheit

Die Verleumderin selbst erscheint nicht vor Gericht. Richter Röthlin verurteilt sie in Abwesenheit wegen Diebstahls zu 60 Tagessätzen zu je vier Euro Geldstrafe. Die angebliche Anstifterin wird freigesprochen. Die Suppe ist zu dünn.

Profis stecken ein und marschieren. Anfänger schauen sich um.

Der Ladendetektiv